• EFI – Die Europäische Feministische Initiative

  • 26 Apr 11
  • Das Patriarchat in Frage stellen, um ein anderes Europa aufzubauen

    Überall in Europa und der Welt reproduzieren sich Geschlechterverhältnisse in den gleichen Machstrukturen, sei es in privaten Beziehungen oder im Sozialleben. Stets sind die Frauen den Männern untergeordnet. Das patriarchale System erstreckt sich über alle Länder und Gesellschaftsformen und prägt Denkweisen.

    Heutzutage erhält und verstärkt es die weltweite kapitalistische Macht.

    Das geschlechtliche Herrschaftsmodell ist universell und kann nicht von den anderen Herrschaftsformen abgelöst werden. Der EFI ist daran gelegen, die patriarchalen, geschlechtlichen Machtverhältnisse sichtbar zu machen, die alle Beziehungen formen und unser Leben und unsere Entscheidungen zutiefst beeinflussen. Die EFI ist ein offenes feministisches Netwerk, das mit seinen Aktivitäten über die politischen und geografischen Grenzen Europas hinausgeht und sich bis in die mediterrane Region erstreckt.

    Es entstand 2003 im Rahmen des Europäischen Sozialforums in Paris und beruht auf der Überzeugung, dass Europa ohne die Garantie von Grundrechten für Frauen und Männer keine Zukunft hat.

    Die EFI hat nunmehr fünf Jahre gearbeitet, um die Zusammenarbeit zwischen Frauen aus Ost- und West-, Nord- und Südeuropa, aus dem Mittleren Osten und dem Maghreb zu erfassen und zu stärken. Dabei ist es der EFI gelungen, einen politischen, feministischen Raum für Gespräche, Reflexionen und Aktionen zu schaffen, der durch Studien, Analysen und feministische Expertisen gestützt wird. Im gegenwärtigen Kontext einer rückläufigen Entwicklung von Rechten und Freiheiten wurde dieser Raum von den Forderungen, dem Leiden und den Erfahrungen der Frauen strukturiert, immer zentriert um die dynamische Interaktion zwischen theoretischen Herangehensweisen und Basisinitiativen, zwischen Studien und Aktionen.

    Die Hauptziele der EFI sind:

    l Den Stimmen von Feministinnen in Europa Gehör zu verschaffen und ihre Bewegung sichtbar zu machen;

    l zu der Entwicklung beizutragen, dass Frauen durch feministische Bewegungen und Organisationen und entsprechend ihrer selbst gewählten Organisationsformen in allen Bereichen des politischen, sozialen und ökonomischen Lebens intervenieren;

    l Frauen der verschiedenen Bewegungen und Länder zu sensibilisieren und zu mobilisieren, so dass sie eine Verbindung ihrer Kämpfe gegen patriarchale Unterdrückung befürworten;

    l angemessene Bedingungen für die Frauen selbst zu schaffen, damit sie Trägerinnen dieser Ziele im Rahmen des Europäischen Projekts für Feministische Volksbildung (European Feminist Popular Educational Project) werden, das durch unsere politische Plattform strukturiert wird.

    Als europäische Feministinnen sind wir Antimilitaristinnen und Internationalistinnen. Wir lehnen Krieg als Mittel zur Lösung internationaler Konflikte ab und fordern die Erweiterung des Sicherheitskonzeptes auf eine globale Sicherheitspolitik hin, die die alltägliche strukturelle Gewalt gegen Frauen einschließt.

    Wir verlangen, dass die Europäische Union den freien Personenverkehr garantiert und die vollen und umfassenden Bürgerrechte aller anerkennt, die auf dem europäischen Gebiet leben. In Anbetracht dessen, dass religiöse Strukturen zunehmend in die staatliche Sphäre eindringen, und angesichts der wachsenden Angriffe religiöser Fundamentalisten auf die Frauenrechte, fordern wir, dass Säkularismus ein Grundprinzip von Europas wird, das für alle darin lebenden Personen gilt.

    In Polen, Irland, Zypern, Malta, Andorra und nun auch in Litauen und der Slowakei wird Frauen ihr Recht auf freien Schwangerschaftsabbruch verwehrt. In vielen anderen Ländern, wie etwa in Italien, Spanien und Mazedonien, ist dieses Recht gefährdet.

    Hinsichtlich der sexuellen und reproduktiven – wie auch anderer – Rechte fordern wir die Angleichung des Rechts auf dem fortschrittlichsten Niveau und rufen zu einer koordinierten europäischen Kampagne auf, in der vor den europäischen Wahlen im Jahr 2009 eine Million Unterschriften gesammelt werden, und die es ermöglichen soll, direkten Einfluss auf einen Wandel der europäischen Politik zu nehmen. In allen Bereichen und auf allen Ebenen ist es notwendig und dringend, die herrschenden patriarchalen Strukturen aufzudecken und abzubauen. Im Verlauf der Schaffung eines Europas, das die Bezeichnung Demokratie verdient, muss Gleichberechtigung der Geschlechter ein grundlegender Wert werden. Dafür ist ein Bruch mit dem gegenwärtigen europäischen Modell notwendig. Feminismus stellt ein treibendes Moment in dieser radikalen Transformation dar.

     

    Aus dem Englischen von Christina Kaindl

     

    Kontakt zur EFI: ife@efi-europa.org