• Editorial Doppelnummer 12-13/2013

  • Von Erhard Crome , Walter Baier | 02 Dec 13
  • Wir leiten nach sieben Jahren kontinuierlichem Erscheinen in zumindest vier Sprachen eine Änderung unserer Publikationsstrategie ein. Statt einer im Halbjahresrhythmus erscheinenden Zeitschrift wird transform! europe ab nächstem Jahr ein Jahrbuch präsentieren.

    Dem Jahrbuch, das erstmals im Herbst erscheinen wird, wird ein neues Konzept zu Grunde liegen. Es wird zum einen durch thematische Schwerpunkte geprägt sein, die ergänzt werden durch Überblicksbeiträge zur Lage der Linken in Europa und in einzelnen Ländern. Mit letzterem wollen wir unsere Bemühung fortsetzen, über die Zeit hinweg ein Archiv der Linken in Europa zu schaffen.

    Auch das neu konzipierte Jahrbuch wird in einem gemeinsamen, europäischen Arbeitsprozess entstehen, an denen sich alle Mitglieder und Beobachter unseres Netzwerkes beteiligen können, und es wird in verschiedenen Sprachen erscheinen. Durch Kooperation mit befreundeten Verlagshäusern wollen wir allerdings den Vertrieb auf eine neue Grundlage stellen und damit den Absatz erweitern.

    Ergänzt werden wird das Angebot, das transform! seinen Freund*innen und interessierten Beobachter*innen unterbreitet, durch ein neues Publikationsformat, den „research and discussion papers“ (Arbeitstitel), die in unregelmäßiger Folge, aber zumindest vier Mal im Jahr die Ergebnisse von durch transform! angeregte Forschungen präsentieren werden. Daneben beabsichtigen wir den weiteren Ausbau unserer multilingualen, elektronischen Medien, der web site (http://www.transform-network.net/home.html) und des newsletters (http://www.transform-network.net/newsletter.html) Mit der Änderung in unserer Publikationsstrategie beabsichtigen wir nicht eine Einschränkung, sondern einen Ausbau unserer Publikationstätigkeit, verbunden mit einer höheren Flexibilität und Nützlichkeit in Bezug auf die Politik.

    Es ist hier nicht die Gelegenheit, die sieben Jahre des Erscheinens der Zeitschrift transform! Revue passieren zu lassen und kritisch zu werten. Naheliegender Weise lag quantitativ wie qualitativ der Schwerpunkt der insgesamt fast 300 veröffentlichten Beiträge aus 29 Ländern in der Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Krise, die 2007 im US-Immobilienmarkt ihren Ausgang nahm, in der Folge auf Europa übergriff und sich zu einer Krise des Integrationsprozesses und der Politik ausweitete. Das Mindeste, was unsere Zeitschrift in diesem Zusammenhang für sich in Anspruch nehmen kann, ist, dass sie durch ihren europäischen Charakter, der einen europäischen Arbeits- und Diskussionsprozess erfordert, nicht nur einen Austausch von Erfahrungen ermöglichte, sondern zu einer Annäherung in den Analysen und strategischen Überlegungen der beteiligten Organisationen anregte.

    Das Ergebnis dieses gemeinsamen Arbeitsprozesses ist in vier Sprachen auf der transform! europe website benützerfreundlich zugänglich gemacht. Wir möchten die Gelegenheit nützen, um uns auf diesem Weg bei unseren Autor*innen, dem über die Jahre beachtlich angewachsenen Team der Übersetzer*innen, den technischen Mitarbeiter*innen und den Leser*innen, die uns begleiten, bedanken.

    Die Veränderung unserer Publikationsstrategie ist das Resultat einer fast ein Jahr lang geführten Diskussion und wurde auf der Mitgliederversammlung, die transform! europe 18. – 19. September in Athen abhielt, beschlossen.

    transform! vereint heute 27 Organisationen aus 19 europäischen Ländern als Mitglieder und Beobachter. Es stellt sich heute als konsolidiert dar, sowohl in seinen inneren Strukturen als auch in seiner Beziehung zur Partei der Europäischen Linken, mit der es verbunden ist. In einigen politischen Feldern konnte der Einfluss erweitert und neue Partner gewonnen werden. Die regionale Ausweitung macht Fortschritte, und wir finden neue Möglichkeiten vor. Aber, so lautete die Schlussfolgerung, die auf der Mitgliederversammlung gezogen wurde, wenn wir tatsächlich unseren Einfluss ausbauen wollen, wenn wir unsere Verbindung mit sozialen Bewegungen und unsere Teilnahme an kritischen, wissenschaftlichen Diskursen verstärken,  und uns speziell der europäischen Herausforderung stellen wollen, die aus der Krise entsteht, so sind Änderungen in unseren Arbeitsmethoden erforderlich. So muss transform!, ohne die Stärken eines pluralsitischen Netzwerkes und einer Gemeinschaft unabhängiger Organisationen aufzugeben, sein Profil als eine europäische politische Stiftung stärken. Das erfordert mehr Institutionalisierung und Professionalisierung, ohne dabei auf transform!s zweite wichtige Stärke zu verzichten, nämlich die Einbeziehung ehrenamtlicher Arbeit.

    Dem Anspruch einer europäischen politischen Stiftung entsprechend müssen wir uns bei der Themenfindung noch mehr auf Fragen europäischer Relevanz konzentrieren. Die Teilung unserer inhaltlichen Arbeit in zwei Hauptprojekte – „Krise/Krisen“ und „Strategien der radikalen Linken“ hat sich bewährt und soll fortgesetzt werden. Um die bestehenden Arbeitszusammenhänge und die neuen Möglichkeiten, die sich aus dem vielversprechenden Start des Akademia-Netzwerks ergeben haben, zu nützen, nehmen wir uns vor, mehr veröffentlichbaren Output zu produzieren. 

    In diesem Sinne kommt dem bereits erwähnten, neuen Publikationsformat, „Forschungs- und Diskussionspapiere“ (Arbeitstitel), eine spezielle Bedeutung zu. Diese Papiere sollen in Seminaren, Board meetings von transform!, der EL-Sommeruniversität, mit der EL, mit sozialen Bewegungen und kritischen Wissenschaftlern, last not least auch mit den Parteiführungen der Linksparteien sowie ihren Abgeordneten diskutiert werden

    Die nun vorliegende Doppelnummer 12-13 unserer Zeitschrift, und in dieser Form die letzte ihrer Serie, steht neuerlich im Zeichen der Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Krise und ihren Auswirkungen in Europa. Was uns in diesem Zusammenhang besonders beschäftigt, sind die Möglichkeiten und Voraussetzungen einer Veränderung. Der Frage der Veränderung sind Beiträge aus der Perspektive der sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und neue Bewegungen, der kritischen Wissenschaft wie auch der Politik gewidmet. Dies sowohl im Hinblick auf den IV. Kongress der Partei der Europäischen Linken und im Hinblick auf die Europaparlamentswahlen.

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    Wie üblich haben wir die Gestaltung des Titelblatts einem Künstler anvertraut, der auch Arbeiten beigetragen hat, die im Inneren der Zeitschrift zu sehen sind.

    Kostas Christopoulos lebt als bildender Künstler in Athen. In Athen und Berlin studierte er Malerei. Er ist Doktorand an der Aristoteles-Universität in Saloniki. Die hier veröffentlichten Arbeiten wurden extra für transform! produziert und stellen eine Hommage an John Hartfield (Helmut Herzfeld) dar. Sie verbinden Collagen und Decollagen aus Zeitungen und anderen Quellen.