• Die Linke ohne Arbeit

  • 20 Apr 11
  • Im April hat das Left Forum, ein finnisches Mitglied des transform-Netzwerks, ein Buch mit dem Titel „Vasemmisto etsii työtä“ (Die Linke auf Arbeitssuche) bei Like Publishing Ltd. herausgegeben, das von der Forschungsgemeinschaft General Intellect verfasst wurde.

    Das Buch befasst sich mit dem Wandel der kapitalistischen Produktion, durch den sich der Gegenstand der Arbeit selbst und die Arbeitsbedingungen ändern. Haupttenor des Werkes ist, dass die Linke ihr Denken an diese veränderten Bedingungen anpassen sollte.

    Die kollektive Identität der Arbeiterklasse löst sich auf. Die Menschen identifizieren sich nicht mehr mit der Arbeiterklasse. Dies gilt selbst dann, wenn sie im Hinblick auf ihre materiellen Verhältnisse und ihre Position in der Hierarchie tatsächlich zur Arbeiterklasse gehören. Die Welt ist individualistischer geworden, aber die Linke ist bis heute nicht in der Lage, auf diese Herausforderung angemessen zu reagieren. Stattdessen werden die Forderungen der Linken immer noch gemäß dem alten fordistischen Kompromissmodell formuliert, dessen Demontage bereits in den 1970er Jahren begann.

    Tatsächlich verteidigt die Linke die Arbeitsplätze vehementer als die Arbeiter selbst. Durch die Forderung, mit Hilfe von öffentlichen Mitteln die Einstellung von Personen zu fördern, die schwerer vermittelbar sind, entzieht die Linke den anderen Arbeitern unmittelbar ihre Verhandlungsbasis, da durch das Mehrangebot an Arbeit der Preis für die Arbeit fällt. Stattdessen sollte die Linke nach Möglichkeiten suchen, das Arbeitsangebot zu verknappen. Auf diese Weise würde die Verhandlungsbasis des einzelnen Arbeiters verbessert. Eine Methode, um dieses Ziel zu erreichen, könnte ein angemessenes Grundeinkommen sein, das nicht an Bedingungen geknüpft ist.

    Die kulturelle Identität der Arbeiter von heute wird nicht durch ihre Klassenverhältnisse bestimmt. Die Kultur der Arbeiterklasse gibt es nicht mehr. Die Identität eines Menschen lässt sich nicht mehr so einfach herleiten und bestimmt sich sicherlich nicht aus der Arbeit in der Werkshalle. Eine neue Art von Subkultur bildet sich in Bewegungen aus, in denen Menschen aus freiem Willen zusammen kommen. Neue Bewegungen könnten die organisatorischen und kulturellen Formen der neuen Arbeiterklasse sein.

    Migration findet dort statt, wo die veränderten Produktionsbedingungen am deutlichsten sichtbar sind. Migranten sind die Gruppe, die durch die neuen Kontrollmechanismen und Kräftestrukturen am stärksten verwundbar ist. Das Problem der Arbeit von Zuwanderern hat nichts mit Freizügigkeit zu tun, sondern vielmehr mit der Beschränkung von Freizügigkeit. Diese Beschränkungen zwingen Migranten dazu, auf dem Schwarzmarkt zu arbeiten und sich vor den Behörden zu verstecken, anstatt bei ihnen Hilfe zu suchen.

    Die Linke hat sich fast ausschließlich auf die Lohnarbeit konzentriert, obwohl ein angemessenes Konzept der Arbeit sehr viel breiter sein muss. Arbeit beinhaltet alles, was zur allgemeinen Schaffung von Wohlstand im weitesten Sinne beiträgt. Man könnte sagen, dass fast alles Arbeit ist und dass Arbeit fast überall geleistet wird. Insbesondere ist auch die Hausarbeit Arbeit. Der traditionelle Impuls der Linken, Frauen zu ermutigen, in den Bereich der Lohnarbeit einzutreten, sollte neu überprüft werden, da er stillschweigend unterstellt, dass Arbeit, die zuhause erbracht wird, wertlos ist. Darüber hinaus übersieht die Betonung der Lohnarbeit, dass die Befreiung von der kapitalistischen Lohnarbeit eines der ursprünglichen Ziele der Arbeiterbewegung war.

    „Die Linke auf Arbeitssuche“ ist zurzeit nur auf Finnisch verfügbar, aber einige ausgewählte Passagen des Buchs könnten in einer späteren Ausgabe dieses Magazins auch auf Englisch [und damit auch auf Deutsch – Anm. der Herausgeber] erscheinen.

     

    Aus dem Englischen von Echoo Konferenzdolmetschen