• Mit Trump die säkulare Stagnation überwinden?

  • Von Joachim Bischoff | 08 Aug 17 | Posted under: Kapitalismus heute , Transformationsstrategien
  • US-Präsident Trump räumt Monate nach seinem Amtsantritt ein, dass er von einem »einfacheren« Weg ausgegangen war. Seine Anhänger_innen bleiben ihm treu, die Mehrheit der Amerikaner_innen ist aber von seiner bisherigen Leistung enttäuscht.

    Mit großspurigen Versprechen hat der Präsident Erwartungen geweckt: Seine Reformen – im Steuerbereich, in der Handels- und Energiepolitik sowie die De-Regulierung im Finanzbereich – würden in den kommenden zehn Jahren zu einem jährlichen Wirtschaftswachstum von 3,5% und 25 Mio. neuen Jobs führen. Selbst 4% Wirtschaftswachstum seien möglich. Dieses Wachstum führe seinerseits dazu, dass sich die vorgeschlagenen Steuersenkungen dank wachstumsinduzierter Steuereinnahmen weitgehend selber finanzierten.

    Die US-Wirtschaft hat mit Amtsantritt von Präsident Donald Trump jedoch deutlich an Fahrt verloren. Zwischen Januar und März 2017 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 0,7%. Dies bestätigt die Skeptiker: Der im Prinzip seit der letzten Rezession 2009 laufende Aufschwung in den Vereinigten Staaten dauert historisch gesehen schon relativ lange. Es wäre erstaunlich, wenn er nochmals vier Jahre anhalten würde. Sowohl aus konjunktureller Sicht als auch mit Blick auf den amerikanischen Aktienmarkt scheint Trump seine Präsidentschaft in der Nähe eines zyklischen Hochs angetreten zu haben. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der neue Präsident im Laufe seiner Amtszeit mit einem deutlichen Konjunkturabschwung konfrontiert sehen könnte.

    Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt das Wirtschaftswachstum in den USA im Jahr 2017 auf 2,3%, das sich 2018 auf 2,5% beschleunigen könnte. Im vergangenen Jahr hatte das BIP um 1,6% zugelegt.[1] Der IWF geht in seiner Frühjahrsprognose 2017 von etwa 3,5% Wachstum für die Globalwirtschaft in den Jahren 2017 und 2018 aus (siehe Abbildung 1). Die Beschleunigung gegenüber 2016, als die globale Wirtschaft lediglich um 3,1% zulegte, werde in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern breit spürbar sein.

    Der Chef-Ökonom des IWF, Maurice Obstfeld, konstatiert bei der Vorstellung des Berichts: »Und in vielen Ländern haben zu wenige Leute davon profitieren können. Das hat politische Auswirkungen, die das Wachstum wahrscheinlich noch weiter belasten.« Für die Weltwirtschaft insgesamt sieht der IWF zahlreiche Risiken, die eine Erholung ab dem kommenden Jahr infrage stellen (siehe Abbildung 2). Dazu gehören laut Obstfeld »eine holprige Entwicklung in China, ein weiterer Einbruch der Rohstoffpreise, zunehmend angespannte Finanzmärkte, Störungen durch den Klimawandel, ein Anstieg der Handelshemmnisse und geopolitische Spannungen«. Die IWF-Chefin Christine Lagarde und der Ökonom Obstfeld fordern daher mehr Impulse der Politik, um Wachstum zu fördern.

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    [1] World Economic Outlook: Gaining Momentum? April 2017.


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