• Editorial

  • 15 Mar 11
  • Auch die Nummer 5 der Zeitschrift transform! steht im Zeichen der globalen Krise. Wir versuchen einerseits die These zu überprüfen, der zufolge sich die kapitalistische Weltwirtschaft inzwischen auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung befinde. Dem widmen sich, aus der europäischen Perspektive, Joachim Bischoff und Richard Detje, und, aus der Sicht Lateinamerikas, Pedro Páez Pérez.

    Andererseits versuchen wir mit dieser Nummer aber auch einen neuen Akzent zu setzen, indem wir uns mit den sozialen, kulturellen und psychologischen Auswirkungen von Krise und Prekarisierung und daraus entspringenden Formen des Widerstands beschäftigen. Vergleiche dazu den Aufsatz von Marina Gržini ´ c über Prekarisierung und Finanzialisierung. Eine Premiere stellt auch Barbara Rauchwarters Artikel „Der Hunger des Arbeiters arbeitet für ihn“ dar, der sich der Thematik von Arbeit und Prekarisierung aus christlich-theologischer Perspektive nähert.

    Den dramatischen Entwicklungen in Honduras nach dem Staatsstreich gegen den gewählten Präsidenten Zelaya tragen wir mit Leo Gabriels Beitrag und der sich durch das gesamte Heft ziehenden Fotostrecke Rechnung. Der Text und die Bilder dokumentieren rund eine Woche, die unser Autors gemeinsam mit dem Präsidenten und seinen MitarbeiterInnen im Grenzgebiet zwischen Honduras und Nikaragua verbrachte.

    2009 stand im Zeichen einer Reihe wichtiger europäischer Wahlgänge, zuletzt in Norwegen, Portugal, Deutschland und Griechenland.

    Von besonderer Bedeutung für das europäische Netzwerk transform! sind selbstverständlich die Wahlen zum Europäischen Parlament im vergangenen Juni. Auf ihre Ambivalenz vom Standpunkt der Linken aus betrachtet verweist der Vorsitzende der Europäischen Linkspartei, Lothar Bisky, im Gespräch mit Andreas Günther. Insgesamt hätten die Parteien der EL zwar stabile Wahlergebnisse, und in Portugal und in Zypern sogar beachtliche Wahlerfolge erzielt. Doch dem steht die Niederlage der italienischen Linken gegenüber und die Tatsache, dass in der Summe die Linksfraktion im Europa-Parlament, die GUE/NGL, kleiner geworden sei.

    Zu grundlegenden Überlegungen müssten der weitere Vormarsch der Rechtsextremen, die neuerlich gesunkene Wahlbeteiligung und der kontinentweite Verfall der Sozialdemokratie führen. Offensichtlich bringe die Krise nicht automatisch eine Stärkung der Linkskräfte mit sich, was darauf verweise, dass diese fast überall in Europa weit davon entfernt sind, eine kulturelle Hegemonie auszuüben.

    Im Zeichen dieser Fragestellungen stand auch die Jahresmitgliederversammlung, die das Netzwerk transform! europe am 19. und 20. September in Brüssel abhielt. 16 Organisationen, Assoziationen und Zeitschriften aus 13 europäischen Ländern erarbeiteten unter anderem die Arbeits- und Forschungsschwerpunkte des Netzwerks für das Jahr 2010.

    Das Treffen begann mit der einstimmig getroffenen Entscheidung über die Aufnahme der Association Culturelle Joseph Jacquesmotte (Belgien), der Gesellschaft für Europäischen Dialog (SPED, Tschechien) und von transform! Luxembourg als Vollmitglieder in transform! europe. Diskutiert wurden v.a. zwei Hauptprojekte, die transform! europe in den kommenden Jahren verfolgen will:

    l ein Forschungsprojekt über die strategischen Perspektiven der radikalen Linken in Europa, das von Haris Golemis (Nicos Poulantzas Institut, Griechenland) entworfen und präsentiert wurde und das auch ein vom Center for Marxist Studies (Schweden) betriebenes Projekt über die organisatorischen und kommunikativen Strategien der Linken einschließt;

    l die Fortführung des langfristigen Forschungsprojekts über die Systemkrise des Kapitalismus. Nächstes Teilstück dieses durch Elisabeth Gauthier (Espaces Marx, Frankreich) koordinierten Projekts ist ein Seminar unter dem Titel „Die Krise in Europa. Auf dem Weg aus ihr heraus oder tiefer in sie hinein – Bilanz und Perspektiven”, das im November in Wien stattfindet. Die Dokumentation der Arbeitsergebnisse wird weiterhin einen ständigen Bestandteil unserer Zeitschrift bilden.

    Abschließend freuen wir uns, bekannt geben zu dürfen, dass im Herbst erstmalig eine Ausgabe von transform! in Ungarisch erschienen ist. Damit erscheint unsere Zeitschrift nunmehr bereits in sieben europäischen Sprachen. Die achte Ausgabe – in spanischer Sprache – ist in Vorbereitung.

     

    Wir wünschen allen LeserInnen eine anregende und vergnügliche Lektüre.

     

    1) transform! erscheint nunmehr in Englisch, Griechisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch und Italienisch; eine spanische Ausgabe ist in Vorbereitung.