• Erste Europäische Attac Sommeruniversität (ESU) – ein Anfang, der die Mühe lohnt

  • 25 Apr 11
  • Mit der ESU wollte Attac Europe einen Meilenstein für gemeinsame Handlungsfähigkeit schaffen – ein Angebot für die Aktivisten, dabei zu sein.

    Vom 1. bis 6. August 2008 fand unter dem Motto „Ein anderes Europa für eine andere Welt!“ in Saarbrücken die erste europäische Attac-Sommeruniversität statt. Fast 800 TeilnehmerInnen aus über 20 Ländern waren dabei. Gäste aus Marokko, Brasilien und Costa Rica u. a. bereicherten die Debatten mit ihren Sichtweisen.

     

    Ein prächtiges Baby

     

    Die Themenliste war lang: die Akteure der Finanzmärkte, Klima- und Energiepolitik, Öffentliche Güter kontra Privatisierung, Globalisierung und Transport, Arbeitsmarkt und Prekarisierung, Migration, Steuergerechtigkeit, Demokratische Kontrolle und ökonomische Partizipation, Soziale Rechte und Demokratie, Prozesse, die den Europavertrag und Alternativen anbelangen, Europas Handelspolitik, Kriege und imperiale Strategie. Im Programm gab es neben zentralen Diskussions- Foren eine Vielzahl von Workshops/Seminaren, die mindestens „binational“ vorbereitet wurden – ein Mix aus „popular education“ und „networking“. Dazu viel Raum zum Kennenlernen – bei morgendlichen „get-to-know-each-othersessions“, oder rund um die Attac-Caféteria.

    Außerdem wurde ein gemeinsamer Strategieprozess der verschiedenen Länder-Attac-Gruppen gestaltet. Er führte von den jeweiligen Vorständen über ein Seminar in Marokko zu einem zweitägigen Workshop während der ESU. Etwa 70 Aktive aus fast allen europäischen Attacs nahmen daran teil. Als Ergebnis sollen zwei gemeinsame Kampagnen starten: Eine zur Krise der Finanzmärkte und eine zweite zu einer „demokratischen und sozialen Neugründung der EU“. Eine Deklaration der europäischen Attacs unter der Überschrift „Schluss mit der Casinowirtschaft – Entwaffnen wir die Märkte!“ ist inzwischen entstanden.

    Darüber hinaus wurde eine Reihe Vernetzungen initiiert, wie „AquAttac“ gegen Wasserprivatisierung, der Arbeitsprozess zur Erweiterung der „10 Prinzipien für einen demokratischen EU-Vertrag“, das europäische Attac-Jugendnetz oder die Kooperation für öffentliche Eisenbahnen. Ein großartiges Kulturprogramm mit Bands aus Frankreich, Polen und Berlin, Ausstellungen u. a. mit belgischen Cartoons, hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern auch zur Ausstrahlung der ESU beigetragen. Es gab einen echten Aufbruch für eine „Europäisierung Attacs von unten“, und alle, die dabei waren, fühlten den Zauber, der jedem Anfang innewohnt.

     

    Aber keine leichte Geburt

     

    Die ganze Organisation und Programmplanung wurde zwar hauptamtlich unterstützt, aber getragen von etwa zwei Dutzend Freiwilligen, die auf verschiedenen Ebenen länger als ein Jahr zusammengearbeitet haben. Die europäische Vorbereitungsgruppe musste Sprachschwierigkeiten überwinden, unterschiedliche politische Kulturen erkennen, Regeln für verbindliche Absprachen finden und das Programm mit möglichst breiter Beteiligung aufstellen – all das meist im virtuellen Raum von Telefonkonferenzen und Internet.

    Wir mussten lernen, dass es nicht ausreicht, kluge „Speaker“ zu finden, sondern dass wir mehr kompetente Leute brauchen, die Diskussionen gestalten und Prozesse in Gang bringen können, weil wir sonst die Energie und Ideen verschenken.

    Wir hatten ein Budget zu stemmen, das deutlich über den finanziellen Spielräumen der meisten Attacs lag. Weil die TN-Beiträge niedrig sein sollten und die Quellen für Zuschüsse klein sind für politische Unabhängigkeit, musste eine Lücke von 50.000 Euro in einem solidarischen Akt durch örtliche Attac-Gruppen und motivierte Spender geschlossen werden. Schließlich waren organisatorische Gebirge zu bewältigen, um Übersetzung, Technik, Übernachtung und Verpflegung möglichst günstig auf die Beine zu stellen – und das war für alle Beteiligten das erste Mal.

     

    Aber ...

     

    ... es hat sich gelohnt. Wir würden es wieder tun – nur nicht so bald –, und wir hoffen darauf, dass sich in den verschiedenen Ländern Leute finden, die die Fäden in der Hand behalten, die geknüpft wurden, so dass es gelingt, nachhaltige Impulse für ein emanzipatorisches Europa zu geben.

     

    www.european-summer-university.eu