• Sommeruniversität der Europäischen Linken startete die Kampagne Fordert das Leben zurück – Kämpft gegen die Prekarität!

  • 25 Apr 11 Posted under: Prekariat
  • Möchtet ihr gern 65 Wochenstunden herunterarbeiten, womöglich bis ihr 70 seid?

    Oder wollt ihr ein besseres Leben, gesicherte Arbeit und anständigen Lohn? Rechte und sozialdemokratische Regierungen, EU-Behörden, Finanzmärkte und multinationale Unternehmen haben das Erste für euch „im Angebot“. Wir schlagen vor, gemeinsam für das Zweite zu kämpfen.

    Unsere Gegenwart wird enger. Und unsere Zukunft? Prekarität ist kein Ausnahmefall, sondern das Schicksal von Millionen Männern, Frauen, jungen Menschen ohne lebenswerte Zukunftsaussichten, in einer Gegenwart der Ungewissheit. Prekäres Dasein ist das Ergebnis neoliberaler Politiken. Es ist ein neues Herrschaftssystem, das auf Unsicherheit für die Menschen und Ungewissheit für Morgen setzt: Arbeitet viel und schnell – wenn ihr gefragt seid, nur ein paar Tage im Monat. Oder arbeitet ununterbrochen, Tag und Nacht, schnell, schneller und mehr. Arbeitet und seid arm!

    Speziell Frauen sind zuerst Opfer der Prekarität, und zwar wegen der Merkmale ihrer Erwerbs biografie: Unterbrechung wegen Schwangerschaft und Kinderpflege, niedrigere Löhne, Teilzeitarbeit, schwierige Stellensuche, wenn über 50, und als Ende vom Lied bedeutend niedrigere Altersrenten. Grübelt nicht nach, ob ihr Widerstand leisten könnt. Fragt euch selbst, wie gegen Prekarität anzukommen ist! Fordert ein besseres Leben ein! Fordert:

    l Garantierte Mindestlöhne in ganz Europa, damit es möglich wird, in Würde zu leben, am Gesellschafts- und Kulturleben teilzuhaben und von illegaler oder prekärer Arbeit loszukommen. Gleiche Löhne für gleiche Arbeit und Zugang zu Vollzeitstellen für alle;

    l sichere, gutbezahlte Stellen in sicheren Arbeitsräumen mit vollen, garantierten Sozialleistungen, demokratischen und gewerkschaftlichen Rechten am Arbeitsplatz;

    l Tarifverhandlungen, Verkürzung der gesetzlichen Arbeitszeit und garantierte, anständige Altersrenten für alle;

    l öffentliche, unentgeltliche, hochwertige und emanzipierende Bildung auf allen Ebenen; Studiengänge, die zu voller wissenschaftlicher Kompetenz und berufsrechtlichen Ansprüchen führen;

    l freien Zugang zu allen Formen von Wissen, neuen Technologien und Kultur und uneingeschränkte öffentliche Unterstützung für sie;

    l garantierte Sozialleistungen, preisgünstige und hochwertige Wohnungen, allgemein zugängliche öffentliche Verkehrsmittel, Zugang zu einem hochstehenden öffentlichen Gesundheitswesen für alle, Entwicklung und Schutz der öffentlichen Dienste als treibende Gegenkräfte der Prekarität;

    l Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf Löhne, Renten und lebenslange Bildungsrechte, Angleichung der Frauenrechte an die vorhandenen fortgeschrittensten Modelle in Europa, Schutz der Frauenrechte (z. B. auf Schwangerschaftsabbruch) vor ideologischen und politischen Angriffen seitens konservativer und fundamentalistischer Kräfte;

    l Achtung der sozialen, kulturellen und politischen Rechte von Migranten; wahrhafte Politik gemeinsamer Entwicklung auf der Grundlage von Demokratie, Respekt für Volksgruppen und gesellschaftlichem Fortschritt; l allgemeine Übernahme von Antidiskriminierungs- Politiken auf allen Ebenen.

    Wir verlangen, im EU-Haushalt dem Erfordernis einer neuen und nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung in den neuen EU-Staaten Rechnung zu tragen, damit sich die Lebensstandards der Menschen in Osteuropa bessern. Die Einführung des Euro in den östlichen Ländern darf nicht Vorwand für verstärkte Ungleichheiten und Sozialabbau sein.

    Das sind einige Ziele, die erreicht werden müssen, um die Prekarität zu bekämpfen und eine anständige Zukunft zu konstruieren In den letzten zehn Jahren wurden 8,6 % des BIP in Europa von der Arbeits- zur Kapitalseite transferiert. Wir müssen alle politischen und ökonomischen Hebel betätigen, um diese Logik umzuwandeln. Das NEIN des Volkes (bei den Referenden in Frankreich, den Niederlanden und Irland) zu den Europäischen Verträgen und ihren Wettbewerbspolitiken, die Prekarität und Unsicherheit hervorrufen, bezeugt zunehmenden sozialen und politischen Protest in Europa. Wir müssen eine umfassende Bewegung aufbauen, müssen Volksklassen, Gewerkschaften, Bewegungen und Linkskräfte in einem gemeinsamen Kampf gegen die Prekarität zu vereinen suchen. Es tut Not, dies jetzt und unverzüglich zu tun.

     

    Aus dem Englischen von Joachim Wilke, Zeuthen


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