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  • Die Coronapandemie: Das Ende der neoliberalen Globalisierung?

  • Von Ilona Švihlíková , Veronika Sušová-Salminen , Václav Cílek , Jan Keller , Petr Drulák , Tomáš Daněk , Petr Schnur , Michael Hauser | 12 Mar 21 | Posted under: Covid-19 , Zentral- und Osteuropa , Tschechische Republik , Kapitalismus heute
  • Unterstützt von transform! europe wurden Fachleute aus den Bereichen Ökonomie, Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichte, Geologie und Kultur zusammengebracht – führende tschechische und slowakische Wissenschaftler*innen – , um ihre Gedanken über die anhaltende Pandemie vorzustellen.

    Der Geologe Václav Cílek betrachtet die Coronapandemie als Krisenkombination, die sich durch das gleichzeitige Auftreten mehrerer Krisen charakterisiert. Damit ist die derzeitige Pandemie für Cílek Teil eines viel weiter reichenden Prozesses von Wandel und Krise, der auch die Klimakrise einschließt.

    Der Soziologe Jan Keller untersucht die Auswirkungen der Pandemie auf Dienstleistungen, die in der Vergangenheit für viele als Weg aus der Deindustrialisierung galten. Keller zeigt, dass die Pandemie die Dienstleistungen momentan auf unterschiedliche Weise beeinflusst, aus der sich jedoch in keinerlei Hinsicht eine rosige Zukunft für den Sektor ableiten lässt.

    Der Politikwissenschaftler Petr Drulák zeigt, dass Krisen wie die derzeitige Pandemie auf zweierlei Weise wirken: zum Einen durch Zwang und zum Anderen als etwas, von dem wir lernen. Drulák weist auf die anhaltende Krise des liberalen Staates in einem neuen Kontext der Pandemie hin und untersucht die Zukunft Europas unter dem Diktat sich verändernder internationaler Beziehungen.

    Kulturexperte Tomáš Daněk beobachtet die soziokulturellen Auswirkungen der Pandemie auf die Gesellschaft hinsichtlich der aktuellen Situation, betrachtet sie jedoch auch als Chance für einen grundlegenden, positiven Wandel für die heutige globale Zivilisation. Daněk sieht die Hauptquelle für Veränderung in einer 'Revolution von Kopf und Herz', einer Heilung zwischenmenschlicher Beziehungen, die von unten ausgeht.

    Der Historiker Petr Schnur widmet sich einigen der politischen Auswirkungen der Pandemie im Kontext des heutigen Deutschlands und differenziert dabei zwischen einer 'Coronapolitik' und einem rein epidemiologischen Kampf. Schnur zeigt, wie die Pandemie auf die Regeln des heutigen Antidiskurses geprallt ist, was ganz konkrete Konsequenzen für die Demokratie und den Kampf gegen Krankheiten hat.

    Die Ökonomin Ilona Švihlíková liefert eine erste Diagnose der wirtschaftlichen Veränderungen durch die Coronapandemie und ihre Zukunftsaussichten. Sie betont, dass die Pandemie die anhaltende Krise in westlichen Gesellschaften aufgrund des neoliberalen Paradigmas wieder verstärkt hat.

    Der Philosoph Michael Hauser betrachtet die Coronapandemie als Wendepunkt in der Verstrickung langfristiger Krisen, die in der Finanzkrise von 2008 ihren Höhepunkt gefunden hatten. Hauser fragt, ob dieser Wendepunkt zur Anerkennung der wahren Tatsachen führen und somit das gegenwärtige neoliberale kapitalistische Verständnis von Wirtschaft, Gesellschaft und der globalen Welt verändern wird.

    Die Historikerin Veronika Sušová-Salminen zeichnet die Geschichte von Pandemien und Epidemien in früheren menschlichen Gesellschaften nach. Anhand von drei spezifischen Fällen – dem 'Schwarzen Tod', den Epidemien, die auf die Entdeckung Amerikas folgten, und der 'Spanischen Grippe' – widmet sich Sušová-Salminen der Frage, wie die damit verbundenen Veränderungen und Transformationen ihrem Wesen nach nicht nur gesellschaftlich und umweltbezogen waren, sondern auch enorm politisch.

     

    Das eBook ist in "Dokumente" auf der rechten Seite/unten (mobile Version) zum Download verfügbar (Englisch und Tschechisch, PDF).

     

    Inhaltsverzeichnis

    Veronika Sušová-Salminen, Ilona Švihlíková, Foreword

    Václav Cílek, A composite crisis of the past and the situation today

    Jan Keller, The virus in the services sector

    Petr Drulák, A painful lack of pain

    Tomáš Daněk, Covid-19 in the Era of Neoliberalism

    Petr Schnur, (Not just) a corona lockdown democracy: the political implications of one pandemic

    Ilona Švihlíková, Coronavirus and changes to the world economy

    Michael Hauser, The Covid-19 pandemic as a turning point. Why neoliberal capitalism is not a farce, but a tragedy

    Veronika Sušová-Salminen, Diseases stalk people, or Epidemics and pandemics in history