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  • Hundert Schattierungen der EU — eine Kartierung der politischen Ökonomie der EU-Peripherien

  • Von Veronika Sušová-Salminen , Dagmar Švendová , Tatiana Moutinho , Giuseppe Celi , Valentina Petrović | 24 Jun 22 | Posted under: EU-Peripherien , Südeuropa , Zentral- und Osteuropa , Bildung und Forschung
  • transform! europe präsentiert eine vergleichende Studie über die wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Aspekte von Randlagen in der Europäischen Union.

    Das eBook ist rechts/unten (Mobilversion) unter „Dokumente“ zu finden (Englisch, PDF).

    Die Studie stützt sich auf interdisziplinäre Ansätze aus den Bereichen Wirtschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte. Sie lenkt den Blick auf das Zusammenspiel zwischen Wirtschaftssystem, politischer Ebene und den kulturellen und ideologischen Dimensionen in Verbindung mit einer Randlage. Unter dem Blickwinkel der Dynamik zwischen Kern und Peripherie werden Machtungleichheiten und Abhängigkeiten analysiert. Im Mittelpunkt der Studie stehen zwei Peripherien in der Europäischen Union: Südeuropa (der Süden) sowie Mittelost- und Südosteuropa (der Osten) — also 17 EU-Mitgliedsstaaten. Insbesondere geht es um die Frage, wie die Dynamik zwischen Kern und Peripherie die EU prägt.

    Überblick – die abgebildeten EU-Peripherien 

    Die Studie zeigt, dass sich beide EU-Peripherien in Bezug auf Kapital, Investitionen und Technologien in einer Position der Abhängigkeit befinden, die sich jeweils in unterschiedlich strukturierten Volkswirtschaften niederschlagen. In den Volkswirtschaften der südeuropäischen Länder kam der Industrialisierungsprozess angesichts der Krise in den 1970er-Jahren zum Erliegen oder geriet vorzeitig ins Stocken. In den darauffolgenden Jahren verfolgten sie eine Strategie der Finanzialisierung und Hypertrophierung des Dienstleistungs- und des öffentlichen Sektors. Die Konkurrenz aus der östlichen Peripherie, deren Ausweitung der Produktion von Halberzeugnissen für die deutsche verarbeitende Industrie die südlichen Zulieferer:innen teilweise verdrängte, schwächte die ohnehin schon fragile Produktionsbasis in Südeuropa weiter. Auf diese Weise trug die Eingliederung der einen Peripherie in die EU zum Rückgang der wirtschaftlichen Entwicklung der anderen bei. Der Blick auf die östliche EU-Peripherie zeigt, dass selbst die industrielle Entwicklung der besonders dynamischen mittelosteuropäischen Länder (vor allem der Visegrád-Gruppe: Tschechische Republik, Ungarn, Polen und Slowakei) auf eine Monospezialisierung im Automobilsektor zurückgeht, der wiederum eng in die deutsche Wertschöpfungskette eingebunden ist. Auf der anderen Seite weist die Entwicklung der weniger dynamischen osteuropäischen Länder bis zu einem gewissen Grad ähnliche Schwachstellen auf wie die südliche Peripherie.

    Auf der politischen Ebene sind in Verbindung mit Randlagen mehrere Probleme zu beobachten. In beiden Peripherien hatte die Wirtschaftskrise 2008 enorme Auswirkungen auf das Parteiensystem und politische Konfliktlinien. Während jedoch im Osten ein Aufstieg rechtspopulistischer politischer Kräfte zu beobachten war, die sich stark auf Identitätsfragen und „Wohlstandschauvinismus“ fokussierten, verzeichneten in Südeuropa neue linke politische Optionen mehr Zulauf. In diesen Ländern verlangsamte sich der Aufstieg rechter Parteien und hat angesichts der starken Position der Linken in der Region relativ wenig Einfluss. Eine Ausnahme bildet allerdings Italien, wo die rechte Bewegung stark und die linke marginalisiert ist.
    Obwohl beide Regionen zur Peripherie der EU gehören, stehen ihre unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedürfnisse und politischen Zwänge einem gemeinsamen Bündnis im Weg. In wichtigen politischen Fragen scheinen beide Peripherien hingegen Bündnisse mit Deutschland und Frankreich anzustreben. Auch was die Vertretung in den EU-Institutionen angeht, wird der periphere Status des Ostens und des Südens (teilweise) sichtbar. Da diese nach wie vor von den Kernländern  dominiert werden (v. a. Westeuropa), sind beide EU-Peripherien unterrepräsentiert. Für die östliche Peripherie konstatiert die Studie sogar eine massive Unterrepräsentation in den EU-Institutionen, außer im Europäischen Parlament.

    Bei der Betrachtung der kulturellen und ideologischen Dimension der Randlage zeigt die Studie, dass Süd-, Mittelost- und Südosteuropa mithilfe von orientalistischen Stereotypen als „die Anderen“ konstruiert wurden.

    Hundert Schattierungen der EU — eine Kartierung der politischen Ökonomie der EU-Peripherien
    von Giuseppe Celi, Valentina Petrović, Veronika Sušová-Salminen
    herausgegeben von Tatiana Moutinho, Dagmar Švendová
    im Auftrag von transform! europe
    eBook | ISBN 978-3-903343-16-0
    259 Seiten | Juni 2022


    Die Kurzfassungen sind rechts/unten (Mobilversion) unter „Dokumente“ zu finden (PDF, in Englisch, Portugiesisch, und Griechisch).

    Übersetzungen der Kurzfassung in BG, CZ, ES, HU, IT, LT, PL und BKS sind demnächst verfügbar.

    Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis.

    Hundert Schattierungen der EU — Präsentation der Studie

    Sprecher:innen:

    Veronika Sušová-Salminen, Senior researcher responsible for the Central East Europe countries group. MA in comparative history, Ph.D. in Anthropology /Charles University in Prague; Specialisation: history and politics of modern Central and Eastern Europe, Russia and post-soviet space; works as researcher at the Centre of Global Studies (Institute of Philosophy of the Czech Academy of Sciences) and as editor-in-chief of webzine !Argument.

    Giuseppe Celi, Senior researcher responsible for the Southern Europe countries group. Italian economist, currently Associated Professor of Economics in the University of Foggia. Coordinator of the Ph.D. Programme in Economic Theory at the University of Foggia and Italian Coordinator of the MA Programme Erasmus Mundus Economics of International Trade and European Integration. Recently published, together with other authors, the book Crisis in the European Monetary Union. A core-periphery perspective.

    Valentina Petrović, Senior researcher responsible for the Southern Eastern countries group. Ph.D. candidate at the SPS Department at the European University Institute in Florence. Postdoc at the Department of Sociology at the University of Zurich. 

    Moderation:
    Tatiana Moutinho, facilitator of transform! europe in the programme “Cooperation Strategies for Southern Europe";

    Dagmar Švendová, facilitator of transform! europe in the programme: "Central and Eastern European Strategy"; 

    Hundert Schattierungen der EU — Inhaltsverzeichnis

    List of abbreviations
    List of figures
    List of tables

    Preface, Tatiana Moutinho, Dagmar Švendová

    Executive summary, Giuseppe Celi, Valentina Petrović, Veronika Sušová-Salminen 

    Key findings
    Policy implications
    Overview – Mapped EU Peripheries

    Introduction, Giuseppe Celi, Valentina Petrović, Veronika Sušová-Salminen

    1. The EU and geographies of capitalism in Europe from a historical perspective
    2. Neoliberal globalization and Europeanisation
    2.1 From the Keynesian era to the neoliberal globalization
    2.2 Europeanisation and core-periphery relations in Europe
    3. Conceptualization, research questions and methodology
    3.1 Terminology and concepts
    3.2 Problem statement and research questions
    3.3 Methodological criteria and indicators
    4. Structure of the study

    PART I
    Chapter 1 – Southern Europe (SE – Spain, Italy, Portugal, Malta, Greece, Cyprus)
    , Giuseppe Celi

    1.1 Introduction
    1.2 Structure of the economy
    1.3 Debt, taxation and FDI
    1.4 Labour market and socio-economic conditions
    1.5 International trade
    1.6 Concluding remarks
    Appendix

    Chapter 2 – Central Eastern Europe (CEE – Czech Republic, Hungary, Slovakia, Poland, Estonia, Latvia, Lithuania), Veronika Sušová-Salminen

    2.1 Introduction
    2.2 Structure of the economy
    2.3 Debt, taxation and FDI
    2.4 Labour market and socio-economic conditions
    2.5 International trade
    2.6 Concluding remarks
    Appendix

    Chapter 3 – South-East Europe (SEE – Bulgaria, Croatia, Romania, Slovenia), Valentina Petrović

    3.1 Introduction
    3.2 Structure of the economy
    3.3 Debt, taxation and FDI
    3.4 Labour market and socio-economic conditions
    3.5 International trade
    3.6 Concluding remarks
    Appendix

    Chapter 4 – Trade networks and value chains, Giuseppe Celi

    4.1 Introduction
    4.2 The network of European trade between core and periphery
    4.3 Trade in value added
    4.4 A focus on the automotive industry in Europe
    4.5 Conclusions

    Chapter 5 – Comparison of the EU peripheries, Giuseppe Celi, Valentina Petrović, Veronika Sušová-Salminen

    5.1 Contextual comparison: historical discontinuities vs. continuities
    5.2 A comparison of the contemporary economic models
    5.3 Global financial crisis and its impacts - convergence and divergence trends in ther peripheries
    5.4 Dependent development and dependencies in the South and the East of the EU

    PART II
    Chapter 6 – The political manifestation of the core-periphery divide in the EU, Valentina Petrović, Veronika Sušová-Salminen

    6.1 Introduction
    6.2 The concept of cleavages and the left-right dimension
    6.3 The cleavage structure in the Western political space
    6.4 The cleavage structure in Europe’s periphery
    6.4.1 Cleavage structure in Southern Europe
    6.4.2 Cleavage structure in Central Eastern Europe
    6.4.3 Cleavages in South-East Europe
    6.4.4 Summary and comparison
    6.5 Divergent positions in funding and migration policy
    6.5.1 Funding policy in the EU
    6.5.2 Migration policy: divergent interests between Eastern and Southern Europe
    6.6 Coalition potential: what are the possibilities for cooperation between the Eastern and Southern regions?
    6.7 Representation of Southern and Eastern peripheries in EU leadership
    6.8 Conclusions

    PART III
    Chapter 7 – (Mis)representation and subalternity: discursive peripheralization in the hegemonic narratives of the core (and periphery), Veronika Sušová-Salminen

    Introduction: peripherality and alterity in the imaginative geography of Europe
    Case study 1: From Division to Di-Vision. Discursive strategies of the EU accession process
    After the EU enlargement
    Case Study 2: Beyond economy: othering and culturalization of the crisis in Greece
    Greece and its peripherality
    We, the hardworking and responsible – they, the lazy, corrupt Greeks
    The crisis in ‘Northern/Western’ eyes
    Comparison and conclusions

    Conclusions and policy implications, Giuseppe Celi, Valentina Petrović, Veronika Sušová-Salminen

    1. Introduction
    2. The eyes of history: chronology and geography
    3. Key findings: what are the key characteristics of the EU peripheral countries?

    3.1 The socio-economic dimension
    3.2 The political dimension
    3.3 The cultural and ideological dimension

    4. What is to be done?

    4.1 Is there an alternative to austerity in the face of crises?
    4.2 Policy implications


    Endnotes
    Bibliography
    Glossary
    Biographies


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