• 02 Dezember 2020 - 02 Dezember 2020
  • online
  • Webinar
  • Das Projekt einer marxistisch-feministischen Internationalen

  • Dieses Webinar ist der Reflexion des wachsenden marxistisch-feministischen Projekts, seiner Möglichkeiten, seiner Praxen sowie der Diskussion über die zukünftigen Arbeitsmethoden, Aktivitäten und Prioritäten gewidmet.

    2 Dezember 2020
    10:00 12:00 (CET)
    via Zoom


    Sprachen:
    Englisch, mit Übersetzungen in Spanisch und Deutsch.

    Vor 10 Jahren erschien im Argumentverlag ein Buch mit dem Titel: "Briefe aus der Ferne". Darin heißt es resümierend: "Jede Politik, die heute gemacht wird, betrifft das Soziale. So gut wie alles hat globale Folgen. Eine feministische Einmischung ist im Gang." Mit dem Anliegen, eingreifende feministische Politik zu entwerfen, wandte sich Frigga Haug an Frauen in aller Welt und erhielt ein starkes Echo: 49 Feministinnen aus 13 Ländern auf 6 Kontinenten meldeten sich zu Wort. 

    Als Resultat eines so in Gang gesetzten kollektiven Prozesses brachte Frigga Haug auf der ersten Marx-Fem-Konferenz in Berlin 2015 Thesen zum widersprüchlichen Verhältnis von Marxismus und Feminismus ein, die uns seitdem begleiten. Wir denken, ein solches Vorhaben einer eingreifenden feministischen Politik kann nur gelingen, wenn es auf einem gemeinsamen Fundament aufbaut. Ein Fundament, dass zwar im Fluss ist und immer wieder aufs Neue geprüft und adaptiert wird, das aber auch stark und haltbar genug ist, sodass es die Einzelnen auffangen kann, um nicht bei jedem Sturm, ja, schon bei jeder Gelegenheit, bei jedem empörenden Ereignis, von denen es in unserer kapitalistischen Welt mehr als genug gibt, die Kräfte zu verbrauchen und danach sich zu zerstreuen. 

    Wir müssen unsere Stimme erheben! Die Kräfte, die Fähigkeiten, das Wissen, die Erfahrungen der vielen Frauen überall auf der Welt, die zusammenzutragen und weiterzugeben Teil des marxistisch-feministischen Projekts ist, wird aus unserer Stimme eine bleibende werden lassen.

    In diesem Bemühen sind mittlerweile zwei weitere Bücher in Auswertung der Marx-Fem-Konferenzen erschienen: Auf Deutsch ebenfalls im Argumentverlag "Wege des Marxismus-Feminismus", sowie auf Englisch "Marxist-Feminist Theories and Struggles Today: Essential writings on Intersectionality, Labour and Ecofeminism" im Zedbooks-Verlag.

    Nach Wien 2016 und Lund 2018 sollte in Bilbao in diesem Jahr die 4. Marx-Fem-Konferenz ausgerichtet werden – ein Plan, der durch Corona ausgebremst wurde. Doch das Protestpotenzial, der Zorn der Frauen, arbeitet weiter. 

    Vorläufig sind wir wieder auf ein kleineres Maß an Aktivität zurückgedrängt, dass aber immerhin – dank der rasanten Entwicklung der Produktivkräfte – das Potenzial der weltweiten Erreichbarkeit in sich trägt. Ohne uns der Hoffnung hinzugeben, dass die virtuelle Verbundenheit die physische ersetzen könnte, veranstalten wir jetzt feministische Webinare, Feminare.

    In unserem ersten Feminar, "The Horizon of Black Lives Matter", haben wir den Protest einer der aktuell bedeutendsten sozialen Bewegungen mit dem Ziel aufgenommen, diesen mit dem Marxismus-Feminismus in einer globalen Perspektive in Verbindung zu bringen. Das Feminar fand zum ursprünglichen Termin der 4. Konferenz am 25. Oktober statt.

    Das kommende Feminar am 2. Dezember ist der Reflexion über das gewachsene Projekt gewidmet. Wir wollen uns über unsere Möglichkeiten, unsere Aufgaben, unsere Hoffnungen, unsere Praxen und unsere Widersprüche austauschen. 

    Frigga Haug, Heidi Ambrosch, Nora Räthzel

    Zu diesem Thema diskutieren

    Frigga Haug ist emeritierte Professorin für Soziologie und Sozialpsychologie an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Sie ist eine Begründerin von Erinnerungsarbeit als kritische Überschreitung von Selbsterfahrungsgruppen. Haug ist Mitherausgeberin mehrerer Zeitschriften, darunter auch Das Argument und Mitherausgeberin des Historisch-Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Ihre Forschungen reichen von der Automation über sozialwissenschaftliche Methodologie und Lernen bis hin zu weiteren Bereichen der Frauenforschung. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehören: Der im Gehen erkundete Weg. Marxismus-Feminismus (2015), Selbstveränderung und die Veränderung der Umstände (2018) sowie Die Unruhe des Lernens (2020).  

    Heidi Ambrosch  arbeitet im Koordinationsbüro von transform! europe in Wien. Sie ist die Frauenbeauftragte der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), Vorstandsmitglied des Österreichischen Frauenrings und Mitbegründerin des Netzwerks Plattform 20000frauen.

    Jule Goikoetxea ist Mitglied der Kritischen Theorie-Gruppe Bilbo-Barcelona. Sie promovierte an der Universität von Cambridge und der Universität des Baskenlandes. Goikoetxea war die akademische Leiterin des Master-Studiengangs Governance and Political Studies an der Universität des Baskenlandes. Derzeit ist sie Mitglied des International Gender Studies Centre der Universität Oxford. Sie war Mitherausgeberin des University of Cambridge Political Journal und ist derzeit leitende Herausgeberin der Lisipe-Publikationsreihe. Ihre jüngsten Forschungsarbeiten sind erschienen bei Routledge, Springer, Francis and Taylor und Peter Lang Oxford.

    Diana Mulinari  ist Professorin am Institut für Gender Studies der Universität Lund, Schweden. Mit ihrer Forschungsarbeit zielt sie darauf ab, eine Brücke zwischen dem marxistischen Feminismus und den Werken von Black, Chicano und postkolonialer feministischen Theoretiker*innen zu schlagen. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehören 'Pain is Hard to Put on Paper'. Exploring the silences of migrant scholars (mit Despina Tzimoula), in Pluralistic Struggles in Gender, Sexuality and Coloniality: Challenging Swedish ExceptionalismHegemonic Feminism Revisited: On the Promises of Intersectionality in Times of the Precarisation of Life (mit Paulina de los Reyes), in NORA: Nordic Journal of Feminist and Gender Research.

    Nora Räthzel ist Senior Professor an der Universität von Umeå, Schweden. Ihre Forschungsschwerpunkte sind environmental labour studies, transnationale Unternehmen sowie gender and ethnic relations in everyday life. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen The future of work defines the future of humanity and all living species, International Journal of Labour Research, Marxist-Feminist Theories and Struggles Today (mit Khayaat Fakier und Diana Mulinari) in Transnational Corporations from the Stance of Workers (herausgegeben mit Diana Mulinari und Aina Tollefsen) und Trade Unions in the Green Economy. Working for the Environment (herausgegeben mit David Uzzell).


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