• Workshop von transform! europe und Espaces Marx: Zur Entwicklung politischer und kultureller Hegemonie unter Bedingungen der Krise – Neue Herausforderungen für die Linke

  • Von Elisabeth Gauthier | 20 Sep 12
  • Als Auftakt zur transform! Generalversammlung wurde gemeinsam mit Espaces Marx ein Seminar in Paris veranstaltet. Dabei sollten an Hand von analytischen Beiträgen aus unterschiedlichen Ländern die Entwicklung des politischen Bewusstseins im Krisenkontext und die Frage der kulturellen und politischen Hegemonie als Herausforderung für die Linke untersucht werden.

    Die von Guy Michelat und Michel Simon präsentierte Studie Le peuple, la crise et la politique [Das Volk, die Krise und die Politik] untersuchte die Brüche und Widersprüche in Relation mit der sozialen und der Klassenzugehörigkeit. Hajo Holst (Mitglied eines Forschungsteams unter Leitung von Klaus Dörre, Universität Jena, Deutschland) arbeitete die Widersprüche zwischen der sich deutlich verstärkenden Kritik am Kapitalismus und der Meinung, dass die Gesellschaft nicht grundsätzlich veränderbar sei, heraus. Die Wiederkehr eines eindeutigen Klassenvotums anlässlich der griechischen Wahlen im Rahmen eines politischen Erdbebens wurde von Christoforos Vernadakis (Professor für Politikwissenschaft, Thessaloniki) im Detail beschrieben. Michel Vakaloulis (Université Paris VIII) stellte einige vorläufige Ergebnisse einer europäischen Studie zu Jugend und politischer Aktivität vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden „Ökonomie der Unsicherheit“ dar.

    In einer zweiten Runde ging es darum – unter Anwendung unterschiedlicher Konzepte und in Anlehnung insbesondere an Gramsci und Foucault –, Zustand und Entwicklung von politisch-ideologischer Herrschaft zu untersuchen. Sophie Heine (Politikwissenschafterin, Université Libre de Bruxelles) wies darauf hin, dass ein tragfähiges linkes Projekt ein modernes Verständnis von individuellem Interesse und Freiheit voraussetze. Ausgehend von einer „kognitiven Dissonanz“ zwischen Kritik und Festhalten am System entwickelte Steffen Lehndorff (Universität Duisburg/Essen) die Herausforderung, eine Alternative denkbar zu machen. Pierre Dardot (Philosoph) interpretierte die EU-Krise als „offene Krise der neoliberalen Gouvernementalität“, wobei z.B. die „Schulden“-Krise massiv disziplinierend wirke und die Frage einer „alternativen Subjektivation“ zentrale Bedeutung bekomme.

    Philippe Marlière (Professor der Politikwissenschaft, University College London) beschrieb die Komplexität der Formierung und Positionierung einer europäischen alternativen Linken sowie der wesentlichen an sie gestellten Herausforderungen. Am Beispiel Frankreichs wurde die Herausbildung von sozialen und politischen „fronts“ historisch von Jean Numa Ducange (Université de Rouen) beleuchtet. Armando Steinko (Soziologe, Universität Madrid) analysierte aktuelle Phänomene in der spanischen Gesellschaft im Hinblick auf soziale Bewegungen und Linke. Neue Aspekte in der europäischen Gewerkschaftsbewegung im Verhältnis zur neoliberalen Konstruktion Europas beleuchtete Laura Horn (Universität Roskilde, Dänemark).

    Insgesamt ein äußerst stimulierender Workshop, der in unseren nächsten Publikationen einen Niederschlag finden wird und zur Präzisierung einiger Fragestellungen sowie zu weiteren Arbeiten anregt.