• Einführung und Konferenzbericht
  • Das Konzept der „Commons“ – Hin zu einer Ökonomischen- und Sozialen Demokratie

  • Von Roberto Morea | 21 Oct 19 | Posted under: Commons
  • Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das Konzept der Commons einen Rahmen für ein linkes Alternativprojekt in Sachen Sozial- und Wirtschaftsdemokratie und -ökologie bieten kann. Roberto Morea stellt das Konzept der Commons vor und berichtet von der Konferenz in Zagreb.

    Seit mehr als fünf Jahren organisiert transform! europe Seminare zum Thema Commons, in denen zahlreiche praktische Erfahrungen mit akademischen Forschungen zum Konzept zusammenfließen und deren erstes Ergebnis ein E-Paper war. Zu Gemeingütern, den Commons usw. finden auf der ganzen Welt zahlreiche Seminare statt. Unserer Ansicht nach ist es die Aufgabe von transform! europe, dieses Konzept als zentrales politisches Thema aufzugreifen und seinen Missbrauch zu verhindern, wenn es beispielsweise vom Kapitalismus wiederentdeckt wird, der uns zu einer Gesellschaft „à la Uber“ führen will, in der die Eigentümer zwar nicht mehr sichtbar sind, aber die Welt noch immer beherrschen.

    Dieses Konzept der Commons gewinnt für jene zunehmend an Bedeutung, die auf einen sozialen Wandel hoffen, der mit einem ökologischen Wandel einhergeht. Dieser Prozess scheint passender, dynamischer und effektiver zu sein als der Versuch einer einfachen Wiederbelebung des Sozialismus und Kommunismus, die derart beeinträchtigt sind von Erfahrungen, die letztlich in Sackgassen endeten.

    Das Konzept der Commons basiert auf zwei grundlegenden Prinzipien:

    ·         einem sozialen und demokratischen Aufbau – dem Prozess der Commons;

    ·         dem Nutzungsrecht anstelle kapitalistischer Eigentumsrechte, die alle heutigen westlichen Gesellschaften prägen.

    Heute für die Commons zu kämpfen bedeutet, gegen das unübertragbare Eigentumsrecht zu kämpfen, das alle anderen Rechte erstickt.

    In der Vergangenheit gab es bereits einige Commons-Rechte, die aber allesamt vom Kapitalismus ausgelöscht wurden, was zu einer zunehmend tiefgreifenden Kommodifizierung der Gesellschaft geführt hat.

    Genau dagegen richtet sich das Konzept der Commons, indem es darum kämpft, eine andere Gesellschaft zu errichten. Es gibt schon zahlreiche Erfahrungen: Mikrofarming, eine neue städtische Selbstverwaltung, das Einfordern neuer, umfangreicherer Beteiligungsrechte, Erfahrungen rund um die Themen Wasser, Energie, Kooperativen und selbstgeführte Unternehmen, Kämpfe gegen Landraub und unnötige Megaprojekte und vieles mehr.

    Die Konferenz in Zagreb

    Alle diese Erfahrungen führen uns zu der Frage, welche Institutionen erforderlich sind und wie ein Staat aussehen muss, in dem die Commons erhalten und generalisiert werden. Aus all diesen Gründen und nach den bestärkenden Erfahrungen aus unseren vergangenen Seminaren organisierten wir im Juni 2019 ein dreiteiliges Seminar:

    ·         Teilnahme am Festival „Hin zu einer Neuen Ökonomie“, das jedes Jahr im Juni in Zagreb stattfindet;

    ·         eintägiger Austausch über verschiedene Erfahrungen entlang verschiedener Achsen: Wirtschaftsdemokratie, die kommunale und territoriale Frage und die „Social Commons“;

    ·         ein Tag rund um die Frage, welcher Staat und welche Institutionen für eine nach dem Konzepts der Commons organisierte Gesellschaft erforderlich wären, ausgehend von praktischen Erfahrungen, aber auch von Forschungen in den Bereichen Recht, Soziologie und Philosophie.

    Wir versuchen, in diesen Fragen voranzukommen, sowohl was das alternative Projekt als auch die erforderlichen Übergangsmaßnahmen angeht.

    Welche Forderungen der heutigen Gesellschaft können das Konzept der Commons im institutionellen Bereich vermitteln?

    Außerdem bot dieses Seminar angesichts der geografischen Lage von Zagreb auch die Möglichkeit, unser Netzwerk in den CEE-Ländern auszuweiten und zu stärken. In den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, in der Tschechischen Republik, der Slowakei und den CEE-Ländern überhaupt existieren schon viele innovative Erfahrungen.

    Dieses Seminar wurde von der Working Group on Productive Reconstruction, dem Global Social Justice Network, der Self-Management Association und dem Workers’ Control Network unterstützt.

     

    Zu diesem Zweck eröffnen wir auf unserer Website auch einen Raum, um weitere Beiträge aus unserem Netzwerk und von Menschen, die ebenfalls an diesem Thema arbeiten, zu sammeln.

    Beiträge können an morea [a] transform-network.net gesendet werden.

     


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