• 70 Jahre Kärntner Partisan_innenverband

  • Von Barbara Steiner | 07 Dec 18 | Posted under: Österreich , Geschichte
  • 1.200 Menschen kamen am 10. November in der Klagenfurter Messehalle zusammen, um auf einer beeindruckenden Festveranstaltung das 70-jährige Jubiläum des »Verbands der Kärntner Partisan_innen und Freund_innen des antifaschistischen Widerstands« - Zveza koroških partizanov in prijateljev antifašističnega odpora - zu feiern.

    Aus Slowenien nahmen unter anderem zwei Parlamentsabgeordnete der »Linken« – Levica, Violeta Tomić und Primož Siter, teil. Aus Österreich wurde eine Reihe von Gästen begrüßt, unter diesen der Bundessprecher der KPÖ Mirko Messner, die Direktorin von transform!europe Barbara Steiner und andere. Das offizielle Österreich war lediglich durch die einzige Kärntner slowenische Landtagsabgeordnete Ana Blatnik (in Vertretung des Kärntner SPÖ-Landeshauptmanns Kaiser) vertreten.

    Widerstandskampf der Partisan_innen

    Der Verband wurde nach dem Kominform-Konflikt im Kalten Krieg gegründet. Die Nazis hatten 1942 hunderte Familien der Kärntner slowenischen Volksgruppe deportiert. Der Kampf der Kärntner slowenischen Partisan_innen in der Osvobodilna fronta (»Befreiungsfront«), im Verband mit der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee – war der einzige nennenswerte militärisch bewaffnete Widerstand in Österreich bzw. innerhalb der Grenzen Nazideutschlands. Er hat – neben dem Beitrag des österreichischen Widerstands bzw. der österreichischen Kommunist_innen zum antinazistischen Widerstand – zur Befreiung Österreichs und zum Staatsvertrag1955 beigetragen. Er hat so auch dem Verweis auf den eigenen Beitrag zu seiner Befreiung entsprochen, wie er in der Moskauer Deklaration 1943 der alliierten Außenminister eingefordert worden war.

    Kampf der Kärntner Slowen_innen

    Nach 1955 setzte die Ausgrenzung und der gegen die Kärntner slowenische Volksgruppe gerichtete, im Nationalsozialismus aufgegangene Deutschnationalismus wieder mit voller Wucht ein. Trotz der im Staatsvertrag festgeschriebenen Minderheitenschutzbestimmungen wurden der slowenischen Volksgruppe ihre Rechte vorenthalten. Der offene und verdeckte Zwang zur Assimilierung an das Deutsche blieb bestehen. Begleitet wurde dieser von terroristischen Anschlägen gegen Partisan_innendenkmäler. Dies gipfelte im sogenannten „Kärntner Ortstafelsturm" 1972, wo von einem Mob, gedeckt von der Politik der Landtagsparteien, in einem Pogrom die gesetzlich vorgeschriebenen und durch die slowenische Jugendbewegung erreichten zweisprachigen Ortstafeln niedergerissen wurden. Sie wurden erst vor einigen Jahren – in verringertem Ausmaß – nach Erkenntnissen des Verfassungsgerichtshofs wieder aufgestellt.

    Beeindruckende Kulturveranstaltung

    Die Situation der Kärntner Slowen_innen ist bis heute nicht zufriedenstellend. Doch dem Einsatz und der Aktivität von unzähligen engagierten Menschen in Kultur, Medien, Wissenschaft, Bildung und Zivilgesellschaft ist es zu verdanken, dass das Kärntner slowenische kulturelle Leben blüht. Die Jubiläumsfeier war ein leuchtender Beweis dafür. Neben den Festrednern vom Kärntner und Slowenischen Partisan_innenverband und des russischen Veteran_innenverbands und einer Video-Grußbotschaft vom Vorsitzenden der EL Gregor Gysi traten verschiedene prominente slowenische Künstler_innen auf. Highlight war der Auftritt des Triester Partisan_innenchors Pinko Tomažić. Die 90-jährige Valerija Škrinjar Tvrz, die im Winter 1944/45 mit wenigen hundert jungen Partisan_innen auf der Menina planina gegen die überzählige 14. Waffen-SS-Division kämpfte, schloß die Feier mit einem berührenden Appel an die antifaschistische Wachsamkeit ab.

    Klagenfurter Erklärung

    Am Vormittag davor fand eine vom Kärntner Verband organisierte Tagung von Widerstands- und Antifa-Organisationen, Opferverbänden und Gedenkinitiativen aus Österreich, Slowenien, Italien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina sowie transform!europe zum Thema: „Faschismus und Rechtsextremismus heute - Stand und Herausforderungen" statt, auf dem die "Klagenfurter Erklärung" (siehe Dokumentation zum Download rechts) beschlossen wurde. Die Reden und die Diskussionsbeiträge mahnten nicht nur ein Gedenken sondern angesichts des Rechtsrucks in Europa auch zukunftsorientierten Antifaschismus, Antirassismus und den Kampf für eine gute Gesellschaft für alle ein. Zum jährlichen europaweiten Ustascha- und Nazitreffen im Mai in Bleiburg, das wieder im Mai 2019 stattfinden soll, wird es gemeinsame Gegenveranstaltungen geben, auch ein europaweites Treffen der Antifa-Organisationen ist geplant.


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