• Manólis Glézos in Luxemburg

  • Von Murray Smith | 02 Dec 14
  • Am 27. November hatte Luxemburg das Vergnügen, Manólis Glézos zu empfangen. Déi Lénk hatte gemeinsam mit den Luxemburger Sektionen von SYRIZA, der Izquierda Unida, der Kommunistischen Partei Spaniens und der Rifondazione Comunista eine Diskussionsveranstaltung organisiert, die in Luxemburg auf reges Interesse stieß.

    150 Gäste füllten den Saal; viele von ihnen mussten ohne Sitzplatz auskommen. Wenig überraschend gehörte der Großteil des Publikums zur griechischen Gemeinde Luxemburgs.

    Manólis Glézos ist eine legendäre Persönlichkeit, in und auch außerhalb Griechenlands. Seine erste bemerkenswerte Tat datiert im Mai 1941: Gemeinsam mit Apostolos Santas bestieg er die Akropolis, wo er die Hakenkreuz-Fahne entfernte, die die NS-Besatzungsmächte dort gehisst hatten. Seit 70 Jahren ist er in Kämpfe involviert. Er war von den Nazis gefangengenommen und gefoltert worden, wie auch später von den siegreichen Konterrevolutionären nach der Niederlage der Linken, und er erlitt dasselbe Schicksal in der Zeit der Militärdiktatur. Einige Male wurde die Todesstrafe über ihn verhängt.

    Letztes Jahr wurde er schließlich mit 430.000 Vorzugsstimmen (der höchsten Anzahl unter allen griechischen Kandidaten) als Listenerster von SYRIZA ins Europaparlament entsendet, wo er nun der älteste aller Abgeordneten ist.

    Manólis ging jedoch nicht näher auf seine eigene Biographie ein. Er äußerste nur auf sehr bewegende Art und Weise, dass wir, wenn wir ihm zuhörten, nicht nur seine Stimme, sondern auch die seiner Genoss_innen hören sollten, die nicht mehr unter uns sind und ihr Leben geopfert hatten – wie etwa sein jüngerer Bruder, der von den Nazis im Alter von 19 Jahren hingerichtet worden war.

    Er sprach ausführlicher über Gegenwart und Zukunft, beehrte uns aber nicht mit einer langen Rede, wie es viele wahrscheinlich erwartet hatten. Er sagte, dass er den Dialog dem Monolog vorzöge, sprach nur etwa 15 Minuten lang, beantwortete anschließend Fragen und diskutierte zweieinhalb Stunden lang mit dem Publikum – im Stehen, im Alter von 92 Jahren.

    Manólis zeigte sich äußerst zuversichtlich über die Situation in Griechenland und die Aussichten von SYRIZA. „Die Geschichte klopft an unserer Tür“, wie er es ausdrückte. Er meinte, dass wir in einer Zeit lebten, in der Veränderungen, die unter anderen Umständen Jahrzehnte brauchen würden, sich in Monaten oder Jahren vollziehen könnten. Und er betonte, dass es nicht nur darum gehe, eine Gruppe von Spitzenpolitiker_innen durch eine andere zu ersetzen, auch nicht um eine Partei, die die Menschen „führen“ könne (ein schreckliches Wort, wie er sagte), sondern darum, dass die Menschen in Griechenland und Europa selbst die Macht – die Volkssouveränität – ausübten.

    Auch andere Themen fanden Eingang in die Diskussion: etwa, wie die Allmacht des Finanzkapitals gebrochen werden könnte, wie mit den Schulden umgegangen werden sollte, und die Art und Weise, wie sich die Menschen in Griechenland heute organisieren. Er nahm oft Bezug auf das Dorf, aus dem er stammt, in das er auch zurückgekehrt war und dem er, wie er sagte, „entsprungen“ sei. Es schien jedoch, als sei er nicht nur diesem Dorf entsprungen, sondern generell in der griechischen Gesellschaft und deren Widerstands- und Kampftraditionen verwurzelt – die Quelle seiner Stärke und seines Zukunftsoptimismus.

    Für jene, die anwesend sein konnten, war es ein unvergesslicher Abend. Am Folgetag war Manólis in der griechischen Schule in Luxemburg zu einem Vortrag eingeladen, bevor er wieder nach Brüssel zurückkehrte.

    Übersetzung: Veronika Peterseil