• Analyse
  • Düstere Aussichten für den Klimawandel

  • Von Gitte Pedersen | 08 Nov 18 | Posted under: Ökologie
  • Vor noch gar nicht langer Zeit bestand Einigkeit darin, dass wir die globale Erwärmung auf unter 2°C halten sollten, um eine Klimakatastrophe zu verhindern. Das internationale Klimaabkommen von 2015, geschlossen beim Klimagipfel in Paris, formuliert das Ziel, die Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur deutlich unter 2°C zu halten. Die Unterzeichner_innen wollten sogar versuchen, die Erwärmung auf unter 1,5°C zu begrenzen. Doch am 6. Oktober gab der Weltklimarat einen Sonderbericht heraus, in dem er auf die Folgen einer Erwärmung um 1,5°C über das vorindustriellen Niveau und die Treibhausgas-Emissionspfade eingeht. Dieser Bericht beruht auf einer soliden wissenschaftlichen Basis. Er liefert deutliche Hinweise dafür, dass die Erwärmung bei unter 1,5°C gehalten werden sollte und legt die Unterschiede eines Temperaturanstiegs um 1,5°C und eines Anstiegs um 2°C dar.

    Das Ziel ist in weiter Ferne

    Dem Bericht zufolge stehen wir sehr kurz davor, eben jene Grenze zu überschreiten, vor der der UN-Bericht uns warnt. Die globale Durchschnittstemperatur ist bereits um 1°C gestiegen und wenn wir weitermachen wie bisher, sind die 1,5°C zwischen 2030 und 2052 erreicht. Wollen wir die weltweite Temperaturerhöhung kontrollieren, müssen wir drastische Maßnahmen ergreifen.

    Der Bericht sagt, „dass eine Erwärmung über dem weltweiten Jahresdurchschnitt in vielen Regionen und Jahreszeiten zu beobachten ist, in der Arktis zum Beispiel zwei- bis dreimal höher. Insgesamt ist die Erwärmung über Land allgemein höher als auf den Ozeanen... Und viele Ökosysteme im Wasser und an Land wie auch einige der von ihnen erfüllten Aufgaben haben sich infolge der globalen Erwärmung bereits verändert... Manche Folgen sind möglicherweise langanhaltend oder irreversibel, zum Beispiel der Verlust von Ökosystemen.“

    Einige Schlussfolgerungen

    Zu den Ergebnissen des Berichts gehört unter anderem, dass der Meeresspiegel bei einer Steigerung um 2°C bis 2100 um 10 cm ansteigen könnte. Damit könnten größere Küstengebiete und Inseln unbewohnbar werden. Eine 2°C-Erwärmung wird außerdem vermutlich alle Korallenriffe des Planeten zerstören und zum Verlust einiger anderer Ökosysteme führen. Die Frage ist, wie die entscheidenden Länder auf diese Schlussfolgerungen reagieren.

    Das EU-Klimaziel

    Miguel Arias Cañete, der EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, und sein Kollege Carlos Moedas, zuständig für Forschung, Wissenschaft und Innovation, begrüßten den Bericht. Sie sagen, er zeige, dass eine Begrenzung auf 1,5°C machbar ist, wenn die EU sofort handelt und alle möglichen Werkzeuge nutzt. Im Dezember findet in Katowice in Polen die UN-Klimakonferenz (COP 24) statt und die Kommissar_innen werden die Nachricht im Gepäck haben, dass die Welt sich gemeinsam ihren Ansprüchen stellen und die selbstgesteckten Ziele auch erreichen muss. Weiterhin sagen sie, dass die Vorbereitungen für eine CO2-neutrale Wirtschaft noch in diesem Jahrhundert so schnell wie möglich angegangen werden müssen.

    Die EU als Vorreiterin?

    Beide Kommissare sagen, dass „Die EU eine Vorreiterrolle innehat, wenn es darum geht, die Ursachen des Klimawandels anzugehen und eine konzertierte internationale Antwort im Rahmen des Übereinkommens von Paris zu fördern.“ Schöne Worte, aber war die EU wirklich vorne mit dabei? Ich habe eher den Eindruck, sie hat nicht viel getan. Wir haben immer noch keine Energiewende, kein Verbot für fossile Brennstoffe. Das sehen wir zum Beispiel mit der Aktionsgruppe Ende Gelände daran, dass am Hambacher Forst weiter Kohle gefördert wird, um von all den Minen in Polen gar nicht zu sprechen. Gibt es also wirklich einen politischen Willen zum Kohle-Aus? Der Temperaturanstieg ist so gefährlich für unseren Planeten und unser Überleben, dass wir das nicht einfach dem politischen Establishment überlassen können. In einem kapitalistischen Wirtschaftssystem werden Profit und Reichtum den Klimaschutz immer auf die Seite drängen. Was wir brauchen, ist ein Systemwandel.e.


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