• Energy Poverty Action Week 2022
  • Die Europäer*innen fordern ein Recht auf saubere und leistbare Energie

  • Von Kieran Pradeep | 21 Feb 22 | Posted under: Energie , Europäische Union
  • Die Aktionswoche zur Energiearmut (Energy Poverty Action Week), die dieses Jahr vom 21. bis 25. Februar stattfand, hat sich zum Ziel gesetzt, neue Impulse bei der Forderung für saubere und erschwingliche Energie für alle europäischen Haushalte zu setzen.

    Der Ernst der Lage, noch zusätzlich verstärkt durch die Gaspreiskrise und den Mangel an geeigneten politischen Maßnahmen, hat viele Menschen dazu ermutigt, gegen ein Energiesystem mobil zu machen, das sie im Stich lässt.

    Europa erlebt derzeit eine nie dagewesene Energiekrise. Aber schon bevor die aktuelle Krise begonnen hat, Schlagzeilen zu machen, mussten sich doch mehr als 50 Millionen Europäer*innen zwischen Heizen oder Essen entscheiden.

    Mehr als nur ein Preisanstieg

    Energiearmut ist eine strukturelle Ungleichheit, die auf ineffizient geregelten und prekären Wohnsituationen und einem ungerechten und profitgetriebenen Energiesystem beruht.

    Alleine in Frankreich leben 12 Mio. Menschen in ineffizient geregelten und unsicheren Wohnsituationen. Einer von vier Haushalten in Europa hat dabei Schwierigkeiten, die Rechnungen für ausreichende Beleuchtung, Heizung oder Kühlung zu bezahlen.

    Die Gaskrise des aktuellen Winters hat die Energiearmut in den Blickwinkel gerückt. Die EU-Staats- und Regierungschef*innen schafften es jedoch nicht, sich auf eine gemeinsame Strategie zu ihrer Bekämpfung zu einigen und bieten ihren einkommensschwächsten Bürger*innen nur temporäre Hilfe an.

    Während nun fieberhaft nach kurzfristigen Lösungen gesucht wird, stellen Basisinitiativen und -bewegungen den Bürger*innen jedoch bereits seit Jahrzehnten Unterstützungsleistungen zur Verfügung.

    In Europa führten bisher nur sehr wenige Staaten geeignete Sicherheitssysteme ein, um zu vermeiden, dass Menschen Energieschulden anhäufen bzw. ihr Strom-/Gasanschluss gesperrt wird. Dies führt dazu, dass nun Millionen zusätzliche Menschen diesem Risiko ausgesetzt werden, da die Energiepreise sehr stark steigen.

    Eine Fallstudie aus Katalonien

    Die Gasrechnung von Cristina, die mit ihren drei Töchtern in der Nähe von Barcelona lebt, stieg im Laufe von nur wenigen Monaten auf mehr als das Doppelte an. Das Grundeinkommen, das sie von der katalanischen Regierung erhält, würde niemals ausreichen, um eine solche Erhöhung abzudecken.

    Bereits während der Krise von 2008 – als sie ihren Arbeitsplatz verlor – musste sie am eigenen Leib erfahren, was Energiearmut bedeutet. Ihre Energieschulden stiegen auf über 1.000 Euro an. Sie trat der Allianz gegen Energiearmut (APE) bei, einer Basisorganisation, die das aktuelle Energiesystem in Frage stellt und auf die Bekämpfung der Ursachen von Energiearmut abzielt.

    Die APE war höchst erfolgreich und konnte 2015 einen substanziellen politischen Wandel erreichen, als das katalanische Parlament das Sperren der Energieanschlüsse einkommensschwacher Haushalte verbot.

    2021 leitete die APE eine ebenfalls erfolgreiche Kampagne an, die 35.000 Familien von ihren Energieschulden befreite. Ihre Mobilisierung veranlasste die Stadt Barcelona dazu, Beratungszentren einzurichten, und eine öffentliche Informationskampagne über die Rechte der Einwohner*innen zu starten.

    Katalonien zeigt damit, wie wir überall in Europa vorgehen können, damit das Recht auf Energie als Menschenrecht anerkannt wird und wie wir Energieunternehmen die Stirn bieten können, die trotz der herrschenden Energiekrise hohe Profite einfahren.

    Zeit für ein neues Gleichgewicht

    Forschungsdaten von Global Witness zeigen, dass die größten Gasproduzent*innen gewaltige Profite schreiben, während so viele Menschen Probleme haben, ihre Wohnungen zu heizen und warme Mahlzeiten zuzubereiten. Die einzigen, die aus dieser Situation einen Nutzen ziehen, sind die Produzent*innen fossiler Brennstoffe und deren Fürsprecher*innen.

    Der Gegensatz zwischen den Problemen der Menschen, ihre Energierechnungen zu bezahlen, und den Rekordprofiten der Unternehmen zeigt, dass ein Energiesystem notwendig ist, das die Menschen und den Planeten über Profite stellt.

    Bewegungen und Solidaritätsinitiativen werden vielerorts in unterschiedlichen Formen gegründet. Außerdem fordern etwa Gewerkschaften ein Ende des gescheiterten Marktmodells und es werden Energiegemeinschaften zur Nutzung erneuerbarer Energien gegründet.

    Es ist Zeit, den Europäer*innen die Möglichkeit zu geben, sich von den fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen und eine Energiewende für alle herbeizuführen.

    Kieran Pradeep ist Koordinator für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Friends of the Earth Europa und Koordinator der Right to Energy Coalition.

    Ursprünglich erschienen auf Euronews.com (Vollversion)


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