• Alternatives Welt-Wasser-Forum und Rio+20

  • 30 Apr 12 Posted under: Ökologie , Soziale Bewegungen und Gewerkschaften
  • Das Alternative Welt-Wasser-Forum (AWWF) fand zwischen 14. und 17. März in Marseille statt, während zur selben Zeit das offizielle Wasserforum tagte. Letzteres war ein auffallender Misserfolg, nur 3.000 von erwarteten 20.000 Teilnehmer/innen waren gekommen.

    Dem AWWF gelang es hingegen, mit viel weniger Ressourcen an die 5.000 Teilnehmer/innen zusammen zu bringen, zu denen Vertreter/innen aus lokalen Vereinigungen, die zu Wasserthemen arbeiten, Gewerkschafter/innen, NGOs, Delegationen aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika zählten. transform! europe beteiligte sich ebenfalls an diesem Treffen und hatte einen Stand mit seinen Materialien.

    Vom offiziellen Forum enttäuscht, suchten einige der dort Teilnehmenden „Asyl“ beim AWWF, da ihrer Einschätzung nach das offizielle Forum keine Antworten auf die wirklichen Probleme, die mit der Wasserversorgung zu tun haben, zu geben imstande war. Schließlich beschäftigte sich das offizielle Forum im Wesentlichen mit den wirtschaftlichen und spekulativen Sorgen von multinationalen Konzernen wie Veolia, Coca-Cola usw.

    Die Teilnehmer/innenschaft am AWWF war sehr vielfältig, es gab Begegnungen und Austausch zwischen vielen Bewegungen. Eine der in diesem Rahmen stattfindenden Zusammenkünfte hatte das AWWF und Rio+20 zum Inhalt. Alle, die an diesem Treffen teilnahmen, bestätigten, dass sich an der Wasserfrage die ganze Bandbreite der Probleme zeigt, die sich aus der Kommerzialisierung der Natur ergeben –  die Privatisierung des Zugangs zu Wasser z.B. ebenso wie die Monopolisierung von Grund und Boden. Die multinationalen Konzerne kaufen Land auf, bauen Staudämme usw., um die Wasservorkommen besser zu kontrollieren zu können und sie auf finanziell gewinnbringende Art und Weise zu vermarkten.

    Viele thematisierten die „Private-Public-Partnerships“, deren einziger Zweck darin besteht, öffentliche Körperschaften für die Investitionen aufkommen zu lassen, damit die privaten Partner Profit machen können.

    Nur eine „Public-Public-Partnership“ kann die Anforderungen an eine öffentliche Dienstleistung, wie die Menschen sie brauchen, erfüllen. Besondere Betonung wurde auf die Notwendigkeit demokratischen Managements gelegt, nicht abgehoben von der Bevölkerung, die es betrifft – das wäre die andere Seite des öffentlichen Managements.

    Einige Themen schienen für den Rio+20-Gipfel wichtig

    • Das wesentliche Problem besteht in der Frage der „Grünen Ökonomie“, die vom offiziellen Rio+20-Gipfel vorgeschlagen wurde. Dieses Anliegen ist gänzlich zu einem der Kommerzialisierung verkommen und zu einem neuen Gegenstand der Spekulation geworden – der Spekulation mit der Natur via Wasser. Diese „Grüne Ökonomie“ verkörpert in keiner Weise einen Modus von Entwicklung, die der ökologischen und sozialen Krise gegensteuern könnte. Hinter einem Vokabular, das so tut als berücksichtigte es ökologische Anliegen, verbergen sich Bedingungen, die ein neues Stadium der Finanzialisierung bedeuten. Der Kampf dagegen muss an der Basis geführt werden, damit immer mehr Menschen die Gefahren verstehen, die vor uns liegen. 
    • Der Zusammenhang zwischen ökologischen und sozialen Themen und vor allem ihre Konvergenz werden von Ökologie-Gruppen anders gesehen als von Organisationen und Gruppierungen, die sich vornehmlich mit sozialen Problemen befassen, etwa die Gewerkschaften. Diese Verbindung zwischen Ökologischem und Sozialem betrifft nicht nur Fragen wie den Schutz indigener Bevölkerungen und ihrer Lebensweise, sondern betrifft auch „westliche“ Gesellschaften: beispielsweise mit der Frage, welchen sozialen und ökologischen Wandel es im Hinblick auf die Stahl und Metall verarbeitende Industrie braucht. 
    • Der Dialog muss vertieft und Übereinstimmung muss gefunden werden, wollen wir einer starke Position innehaben, wenn es darum geht, dieser „Grünen Ökonomie“ entgegenzutreten, die uns Ultraliberalen aufzwingen wollen.

    Vorschläge für Rio+20

    Ein Gipfel der Völker für soziale und Umweltgerechtigkeit und gegen die Kommerzialisierung der Natur und lebender Organismen:

    • Von 15.-17. Juni 2012: Zusammenkünfte zu thematischen Fragen
    • 17. Juni: Großer Marsch durch Rio
    • 20. Juni: Internationaler globaler Aktionstag
    • Jeden Abend: Der gegenseitigen Annäherung dienende Begegnungen 
    • 22. Juni: Abschlusserklärung

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