• Kahlschlag in Griechenland
  • Drastische Kürzungen im tertiären Bildungssektor

  • Von Sissy Velissariou | 24 Sep 13 | Posted under: Griechenland , Bildung und Forschung
  • In den letzten vier Jahren wurden die öffentlichen und demokratischen Universitäten systematisch von den neoliberalen Regierungen ausgehöhlt. Institutsauflösungen haben das Kollektiv und die demokratisch gewählten Gremien zerstört, und die Politik hält die Universitäten nunmehr in einem ökonomischen Würgegriff.

    Gleichzeitig haben die Zusammenlegungen von Instituten und Universitäten im Sinne des „Athena Plans“* die tertiäre Bildung auf ein Minimum reduziert, wobei insbesondere technische Unis und Randuniversitäten ausgelöscht wurden. Jetzt wird gegen das Herz der Universitäten vorgegangen, nämlich ihre Angestellten: 25% des administrativen Personals soll entlassen werden. Dies betrifft 1700 Menschen, die in der Verwaltung, Werkstätten, Labors und Universitätskliniken tätig sind. Die Maßnahmen, die als „Sofort-Evaluierung“ bezeichnet werden, wurden in Abstimmung mit dem Bildungsministerium ausgehandelt und von diesem durchgesetzt.

    Dieser katastrophale Coup markiert einen historischen Rückfall der griechischen Universitäten in das Bildungssystem der 1970er Jahre. Auch der primäre und sekundäre Bildungssektor sind davon nicht ausgenommen.

    Die aktuellen Entlassungen sind jedoch nur die Vorhut einer weiteren Entlassungswelle in wenigen Monaten, wo dann das wissenschaftliche Personal an der Reihe sein wird. Mit derselben Logik wurde bereits in anderen staatlichen Bereichen Kahlschlag betrieben: Die Troika will „gefüttert“ werden, weshalb ihr ständig eine bestimmte Anzahl gekündigter Staatsbediensteter als Opfer dargebracht werden müssen.

    • Von 270 angestellten Universitätslehrer_innen griechenlandweit werden sich nur 21 halten können, der Rest wurde bereits gekündigt. Diese Kolleg_innen haben über die Jahre hinweg für einen geringen Lohn unschätzbare Unterrichts- und Forschungsarbeit geleistet. Ihre Massenkündigung wurde auf geheimste Weise durchgeführt.

    • Die Anzahl der Unterrichtsverpflichtungen wurde um 30% erhöht, um so einen künstlichen Überschuss an wissenschaftlichem Personal zu schaffen. Die Übrigbleibenden werden künftig die Arbeit der Gekündigten mit übernehmen müssen, denn bis zu 40% der Bediensteten in diesem Bereich sollen eingespart werden! Zeitgleich soll die zweite Phase des „Athena Plans“ eingeleitet werden, die zu einem weiteren Niedergang der Unis führen wird.

    • Die Anzahl der Studierenden soll reduziert werden, indem jenen, die die Mindeststudienzeit von 4 Jahren überschreiten, Gebühren aufgebürdet werden.

    • Gleichzeitig wird die Anzahl der Studienanfänger_innen reduziert, indem man Studieneingangsprüfungen einführt, was den tertiären Bildungssektor weiter schwächen wird. Die Verabschiedung des „Neues Lyzeum“-Gesetzes, das vorsieht, die Technischen Lyzeen zu verkleinern und Jugendliche an private Zentren für technische Ausbildung zu verweisen, wird den Zugang zur Universität ebenfalls erschweren. Die betroffenen Schüler_innen werden damit gezwungen sein, ihre Schullaufbahn zu beenden und stattdessen in Privatunternehmen eine Lehre zu machen, was sie ans unterste Ende der sozialen Leiter ketten wird.


    Die gute und zur Hoffnung Anlass gebende Nachricht ist, dass sowohl das administrative als auch das wissenschaftliche Personal eine Massenwiderstandsbewegung aufgebaut hat. Sie zeigt sich in Streiks, Kundgebungen und Versammlungen gemeinsam mit den Gewerkschaften an sämtlichen Unis in Griechenland, mit denen sich auch die übrigen Bildungssektoren und deren Lehrpersonal solidarisiert haben. Diese Massenbewegung, in der SYRIZA-nahe Wissenschaftler_innen, Verwaltungsangestellte und Studierende eine zentrale Rolle spielen, hat es sich zum Ziel gesetzt, die gegenwärtige Regierung zu stürzen.

    Um das zu erreichen, ist die Schaffung einer breiten Bildungs-Aktionsfront aus Lehrer_innen, Wissenschaftler_innen und Studierenden von entscheidender Bedeutung.


    * Regierungs-Vorhaben, um die Anzahl der Fakultäten und damit die finanzielle Unterstützung für die Universitäten zu kürzen.



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