"A Storm is Blowing From Paradise." Michael Löwy im Gespräch mit Eva Brenner und Walter Baier.

Mit dem Essayband „Juifs hétérodoxes“, 2010 erschienen bei der „Édition de l’ éclat“, in Paris, kehrt Michael Loewy zu einem Thema zurück auf, das er bereits in seinem 1988 erschienenen Band „Redemption et utopie. Le judaisme libertaire en Europe centrale“ (Deutsch. Karin Kramer Verlag, Berlin, 1997: „Erlösung und Utopie. Jüdischer Messianismus und libertäres Denken. Eine Wahlverwandtschaft“) behandelt hatte: Die revolutionäre Linke und das Judentum, d.h. die vielfältigen Bezüge, die zu Beginn des 20. Jahrhundert zw. Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus auf der einen und dem libertären, heterodoxen Judentum auf der anderen Seite bestanden haben.


Es genügt nur einige VertreterInnen dieser „Wahlverwandtschaft“ – Hannah Arendt, Walter Benjamin, Gershom Sholem, Georg Lukàcs, Manès Sperber, Ernst Bloch und Martin Buber – zu nennen, um die Dichte dieses geistigen Universums zu erfassen. Löwy gelingt mit seiner Arbeit eines der bedeutenden Kapitel der europäischen Geistesgeschichte, das unter den Trümmern von Faschismus und Kaltem Krieg begraben wurde, aus dem Vergessen zu holen. Zentralfigur seines Buches und Schnittpunkt der einleitenden Essays über die europäischen jüdischen Intellektuellen und der folgenden Kapitel, die einzelnen ihrer bedeutenden Vertreter gewidmet sind, ist Walter Benjamin, dessen romantisch-utopischer Zweifel am Fortschritt, der auch die Linke so sehr begeisterte, einen Roten Faden des Buches bildet. Damit erhält Löwys Buch angesichts der durch Wirtschaftskrise, Kriege und ökologische Katastrophen geprägten Gegenwart eine aufregende Aktualität.


Michael Löwy wurde 1938 in São Paulo als Kind jüdischer Eltern geboren, welche vor Austrofaschismus, Antisemitismus und bevorstehendem Anschluss 1934 aus Wien nach Brasilien geflüchtet waren. Sein Studium der Sozialwissenschaften setzte er in den 60er-Jahren mit einem Studium der Philosophie und Literaturwissenschaften in Paris fort. Studienaufenthalte führten an die Universitäten von Haifa, Jerusalem,Tel Aviv und Manchester. Seit 1977 arbeitet Löwy als Forschungsdirektor am „Centre national de la recherche scientifique“ (CNRS) und am EHESS in Paris. Seit den 60er-Jahren gehört er der trotzkistischen Bewegung und der Vierten Internationale an. Eine der ersten Schwerpunkte der Forschung Löwys galt der historischen und inhaltlichen Entwicklung des Marxismus in Lateinamerika. Später kam eine intensive Auseinandersetzung mit der Theologie der Befreiung, die vergleichende Untersuchung christlicher und jüdischer Messianismen im Zusammenhang mit marxistischer und anarchistischer Theoriebildung im 20. Jahrhundert und die Beschäftigung mit dem Verhältnis von Marxismus und Nationalismus hinzu. Im Anschluss an Autoren wie Ernst Bloch legt Löwy dabei besonderen Wert auf die Herausarbeitung der utopischen Dimension im Marxismus. Neuere Arbeiten widmen sich dem Thema Ökologie und Sozialismus.

 


 Do., 23. Feb. 2012, 19h 

mit Publikumsdiskussion, Musik, Video & Büffet

Moderation: Eva Brenner (FLEISCHEREI_mobil) & Walter Baier (transform!europe)


Musik: CAROLINE KOCZAN (Songs)/YASUKO YAMAMOTO (piano) 

 

Jewish Theater of Austria 

Kandlgasse 6

1070 Vienna

The Window

 


In Kooperation with FLEISCHEREI_mobil, Jewish Theater of Austria , Diplomatic Academy Vienna, Café 7*,  transform!europe, transform.at.  Special thanks to MA7/Wissenschafts-und Forschungsförderung, Diplomatic Academy Vienna, Okto.tv.

 

 

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Im Rahmen der PETER KREISKY GESPRÄCHE Frühjahr 2012 [KUNSTimDIALOG]: „WIE RETTEN WIR DIE DEMOKRATIE?“ – von der Kultur- zur Demokratiekrise Berichte von Erfolgen und Neuaufbrüchen

PETER KREISKY TALKS [ARTinDIALOGUE]

PETER KREISKY GESPRÄCHE [KUNSTimDIALOG]


„Demokratie braucht einen langen Atem“ schreibt Peter Kreisky in seinem Buchbeitrag zu „Die Fantasie und die Macht, 1968 und danach ― (Czernin Verlag, 2007, Hg. R. Löw). 2012 widmet sich die Gesprächsserie den aktuellen Themen von Demokratie- und Kulturkrise/n vor dem Hintergrund der laufenden „Großen Krise―, die nach 3 Jahren ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben scheint.


Die bewährte Diskussionsreihe „KUNSTimDIALOG der FLEISCHEREI_mobil findet 2012 erstmals mit dem Untertitel „PETER KREISKY GESPRÄCHE“ statt, in Hommage an den Mit-Kurator, Ko-Moderator und Förderer des Formats, Peter Kreisky. Jahrelang hat Peter Kreisky sein enormes historisch-politisches Wissen in die Konzeption, die Gestaltung, Moderation und Auswahl von GesprächsteilnehmerInnen eingebracht, wichtige Bündnisse geschaffen und Kontaktschienen gelegt. Er überraschte mit seiner ungewöhnlichen Einladungspolitik – so kombinierte er auf Podien und in Porträts etwa VertreterInnen aus Kultur und Wirtschaft, Ökologie und Theater, Literatur und Finanzkrise – und durch Thesen, Themen und Gesprächsrunden, die neue Perspektiven auf das aktuelle politische, ökonomische und kulturelle Geschehen erlaubten. Als KuratorInnen und Ko-ModeratorInnen fungieren Eva Brenner, Michel Cullin (Diplomat. Akademie Wien), der Journalist und Aktivist Leo Gabriel und der Koordinator des europäischen Think-Tank Netwerks transform! europe, Walter Baier.


Die Gespräche 2012 sind Kooperationen der FLEISCHEREI_mobil, der Diplomatischen Akademie Wien sowie OKTO.tv und werden einerseits im lokalen Rahmen von befreundeten Cafés, Veranstaltungsorten in den Bezirken oder in den Studio-Räumen von OKTO.tv aufgezeichnet; Schnitt und Ausstrahlung erfolgt bei Radio ORANGE bzw. OKTO.tv.

 

Kontakt: FLEISCHEREI_mobil, Neustiftg. 133,/13, 1070 Wien, www.experimentaltheater.com In Kooperation von FLEISCHEREI_mobil, Jewish Theater of Austria , Dipl. Akademie Wien, Café 7*, transform!europe, transform.at. Spezieller Dank an MA7/Wissenschafts-und Forschungsförderung, Dipolmatische Akademie Wien, Okto.tv

 

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